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Zwischen Kaltem Krieg und Wiedervereinigung
Leben mit der ‚Zonengrenze‘ in Kaufungen
Ausstellung des Regionalmuseums im Rathaus Kaufungen,
3.10. 2015 – 11.3. 2016

Für die Generationen von Deutschen, die mit der innerdeutschen Grenze aufgewachsen sind, Jahrzehnte mit der Grenze gelebt haben, sind West-Ost-Begegnungen und sind die Ereignisse während und nach der Maueröffnung wichtige Momente in ihrer Biografie.

Kaufungerinnen und Kaufunger haben davon erzählt. Denn die Geschichte der deutschen Staaten seit 1945 hat das Alltagsleben in Kaufungen über fünfundvierzig Jahre geprägt:

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kamen in den Kaufunger Altdörfern zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene als Neubürger hinzu.

Der neu gegründete Volksstaat Hessen wurde Grenzland zweier deutscher Staaten. Historische Verbindungen wurden damit unterbrochen.

Der unüberwindbare Grenzzaun kaum dreißig Kilometer von Kaufungen entfernt wurde Angst- und Schauobjekt, hingenommene Tatsache, Hürde und Mahnmal.

Der Kalte Krieg bestimmte lange das Selbstverständnis der Bundesbürger und die Erziehung in unseren Schulen.

Gleichzeitig gab es zahlreiche Kaufungerinnen und Kaufunger, die persönliche Beziehungen fortführten und neue Beziehungen aufnahmen, damit der menschliche Kontakt zum Nachbarland nicht verloren ging.

Und als die Mauer fiel, engagierten sich Bürger erneut, um die fremden Nachbarn hier in Kaufungen und in der Bundesrepublik willkommen zu heißen.

Wenn ich daran denke, wie…“ ist ein vielgehörter Satzanfang in unseren Interviews. Das Außergewöhnliche, Eindrückliche des mit der deutschen Teilung ebenso wie mit ihrer Aufhebung Erlebten wird in dieser Redewendung wieder erinnert. Politische Ereignisse wie der Brandt-Stoph-Besuch werden thematisiert, Begegnungen mit der Staatsgewalt, die Andersartigkeit des DDR-Alltags oder kulturelle Unterschiede. Das Menschliche, Freundschaft, Vertrauen und die langjährige, oft mühsame Beziehungspflege mit den ,anderen Deutschen‘ stehen aber im Mittelpunkt. Manche Familien haben einander jahrzehntelang über die Grenze hinweg auf ihrem Lebensweg begleitet – bei Schulanfang, Hochzeiten, Taufen, Sterbefällen. Während sich die Lebenswelten voneinander entfernten, hat man im Privaten Gemeinsamkeiten gesucht und gefunden. Freilich, die Begegnungen, gerade auch die der Wendezeit, waren nicht immer nur positiv: Es gab ebenso Fremdes, Befremdliches, Missverständnisse, (Ent-)Täuschungen, Überforderung und Erschöpfung – auf beiden Seiten…

Die Ausstellung zeigt, dass das heutige friedliche Zusammenleben von vielen Menschen in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten lange Jahre erhofft und zuweilen erstritten, letztendlich miteinander erarbeitet und entwickelt wurde. Denn die deutsche Einheit ist nicht allein Ergebnis von Gesprächen, Verhandlungen oder Verträgen auf Regierungsebene. Sie verdankt sich dem mannigfaltigen Engagement der Bürger und Bürgerinnen der demokratischen Zivilgesellschaft.

Anhand zahlreicher persönlicher Geschichten, Fotos, Briefe, Formulare und anderer Erinnerungsstücke wird über folgende Themen gesprochen:

 

Zwischen Kaltem Krieg und Wiedervereinigung

Leben mit der ‚Zonengrenze‘ in Kaufungen

Orientierung nach 1945 / Flüchtlinge in Kaufungen

„Verlorene Ostgebiete“, ein Staat in Anführungszeichen und das „Gedenken an unsere Brüder und Schwestern“: Erinnerungskulturen

„Zonenrandgebiet“: Die Mauer als Teil des Alltags

Deutsch-deutsche Begegnungen im Kalten Krieg

Herzliche Anteilnahme

Reisen in die DDR: Vorschriften, Formulare, Kontrollen – Begegnungen mit der Staatsgewalt

Konsumbeziehungen – Warentausch

Päckchen, Mitgebrachtes, Ostmark-Einkäufe, Geschenke

November 1989 in Kaufungen: Die Organisation einer friedlichen Invasion

(Forschungs-)Reisen in (un-)bekannte Welten:

Besuche, Besichtigungen, Engagement 

 

„Wenn ich daran denke, wie…“

Erinnerungen, 25 Jahre nach dem Mauerfall