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Ausstellung - Kriegsgräber um die Niederkaufunger Kirche

Bild von den Denkmälern vor der Kirche NiederkaufungenMit Gott für’s Vaterland…
Kriegsdenkmäler um die Niederkaufunger Kirche

„Von der Gemeinde [wurde] den Gefallenen [eine] 1870/71-Eiche gepflanzt; von der Gemeinde [wurde] den Gefallenen [ein] 1914/18-Denkmal gesetzt. In jedem Fall sollte damit Dank abgestattet werden. [...] Auch den letzten Gefallenen soll dankend gedacht werden“. Der Niederkaufunger Bürgermeister stellt die Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen des II. Weltkriegs in einer Bürgerversammlung 1957 als kommunale Verpflichtung dar. Auch die Erinnerung an sie soll – neben den Erinnerungsmalen an vergangene Kriege – im öffentlichen Raum des Dorfes ihren dauerhaften Platz finden.

Heute, nach 70 Jahren Frieden, erscheinen uns alle diese Kriegsdenkmäler gleich unzeitgemäß. Haben sie uns noch etwas zu sagen?
Wir erinnern uns der namentlich genannten Menschen nicht, die unseren Vorfahren viel bedeuteten; wir teilen den Militarismus nicht, für den die Objekte zu werben scheinen. Aber es lohnt gerade heute, einen zweiten, genaueren Blick auf diese offiziellen Erinnerungsmale zu werfen.

Kriegsdenkmäler wie die Siegessäulen, Triumphbögen oder Standbilder der siegreichen Herrscher und (adligen) Söldnerführer stehen seit Jahrhunderten auf Straßen und Plätzen. Das ausdrückliche, meist namentliche Gedenken an ‚den gemeinen Mann’, also den einfachen Kriegsteilnehmer, gibt es allerdings erst seit zweihundert Jahren. Damals wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, wurde der Militärdienst zum „Ehrendienst“.

Seitdem sind die dörflichen Erinnerungsmale an vergangene Kriege mit ihren Namensreihen Zeugnisse der (Familien-)Geschichte des Ortes.
In seiner jeweiligen Botschaft ist jedes dieser Denkmale darüber hinaus Zeugnis des Selbstverständnisses unserer sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft.

In Niederkaufungen haben sich wohl alle offiziellen Kriegsdenkmale von 1814 bis zum II. Weltkrieg erhalten. Das macht den Bestand für unsere Geschichte besonders interessant.
 

                               Aufstellungsort: Kirche
Im Zentrum der Dorfgemeinschaft

Die Inschrift bildet nur einen Teil der Botschaft eines Kriegsdenkmals. Die ästhetische Form und der Aufstellungsort sind für das Verständnis genauso grundlegend.

In Niederkaufungen befinden und befanden sich alle offiziellen Erinnerungsmale in der Kirche oder auf dem Dorfplatz vor der Kirche.
Der Kirchplatz war traditionell das Zentrum des Niederkaufunger Gemeindelebens und er ist es zum Teil noch heute. Hier wurde gemeinsam gearbeitet, wie alte Fotografien zeigen. Hier wurde und wird miteinander gefeiert. Offenbar war der Platz vor der Kirche auch der würdigste Ort, um miteinander der Kriegstoten zu gedenken. Drei Kriegsdenkmäler stehen dort.

„Sehr geehrter Herr!
Wiederholt musste festgestellt werden, dass Sie Erntewagen sowie landwirtschaftliche Fahrzeuge aller Art, unmittelbar vor dem Kriegerehrenmal abstellen. Es führte zu mehreren Beschwerden. Wir ersuchen Sie aus dem Grunde dringendst, die[s] in Zukunft zu unterlassen. [...] Es liegen verschiedene Beschwerden vor, nach denen Ihre Gänse immer wieder das Ehrenmal und den dort befindlichen Ehrenplatz, vor der evgl. Kirche verschmutzen. Wir ersuchen Sie aus dem Grunde dringendst, dafür zu sorgen, dass Ihre Gänse nicht mehr über den Ehrenplatz laufen, da wir andernfalls zu Gegenmassnahmen gezwungen sind.“ Brief des Niederkaufunger Bürgermeisters, 8.9.1959 GANK

In der Kirche hingen – wohl bis zum Umbau in den 1960er, 1970er Jahren – fünf Kriegsgedenktafeln aus Holz. Die auf ihnen benannten Kriegsteilnehmer waren damit in jedem Gottesdienst und für jeden sichtbar Teil der zusammen kommenden Gemeinde.

Über Jahrhunderte hatte es in den hiesigen Dörfern keinen Unterschied zwischen weltlicher Gemeinde und kirchlicher Gemeinde gegeben. Abhängige gehörten der Religion ihres Grundherrn an, der gleichzeitig Kirchenherr war. Und in der evangelischen Kirche präsentierte sich die gesamte Dorfbevölkerung in ihrer sozialen Hierarchie vor Gott. Der Kirchenraum wurde als Versammlungsraum für die (Gemeinde-)Politik genutzt.

Bis 1918 waren Staat und Kirche eng gekoppelt. Militarismus und Kriegseuphorie gehörten zu der von der Kanzel propagierten Politik. Man zog in den Krieg mit kirchlichem Segen.