»Noch nie so schön wie heute« - Festgottesdienst als spiritueller Höhepunkt des Jubiläumsjahres mit buntem Gemeindefest
Kaufungen feiert - schon das ganze Jahr lang wurde das 1000-jährige Jubiläum der Stiftskirche gebührend begangen - mit Gottesdiensten, Konzerten, Führungen, Vorträgen, Märkten und Ausstellungen und vielem mehr. Monat für Monat gab es ein abwechslungsreiches Programm, das sowohl geistlich als auch kulturell auf ein großes Datum hinwies: den 13. Juli 1025, als die Stiftskirche feierlich geweiht wurde. Der Höhepunkt dieses besonderen Jubiläumsjahres war nun am historischen Datum - und das auch noch passend an einem Sonntag - der große Festgottesdienst in der ehrwürdigen Stiftskirche selbst.
Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft fanden sich ein, um diesen Moment miteinander zu teilen und zurückzublicken auf eine bewegte Geschichte, die vor genau einem Jahrtausend begann. Festlich gestaltet wurde der Gottesdienst von der Kaufunger Kantorei, dem Posaunenchor sowie Bezirkskantor Martin Baumann an den beiden Orgeln. Besonders ausgewählte Musikstücke ließen das Gotteshaus in seiner ganzen Klangfülle erstrahlen.
In ihrer Predigt richtete Dekanin Anja Fülling den Blick nicht nur zurück, sondern auch nach innen, da sich hier seit tausend Jahren Menschen immer wieder die gleichen Fragen gestellt haben: Wer bin ich? Was prägt mich? Wo geh ich hin? „Allen, die hier Gott suchen, gehört diese Kirche“, betonte Fülling, „wir alle dürfen hier einen Platz haben!“ Ängste und Hoffnungen seien über die Jahrhunderte hinweg in dieses Gotteshaus getragen worden - und das geschehe auch heute noch: „Gott sagt uns dabei zu: Geh mit Mut und Zuversicht in deinen Alltag.“ Die Stiftskirche sei auch ein Symbol für unser Leben. Immer wieder wurde sie verändert, umgebaut, sie trage Spuren und entwickele sich ständig weiter. Und angesichts der noch nicht allzu lang zurückliegenden Restaurationsarbeiten stellte Dekanin Fülling mit einem liebevollen Augenzwinkern fest: „Vielleicht war die Stiftskirche noch nie so schön wie heute!“
Vor dem Segen sang die Gemeinde zusammen mit der Kantorei in berührender Weise die Friedensbotschaft „Dona nobis pacem“ - ein würdiger und besonderer Moment.
Im Anschluss an die liturgische Feier gab es einen Empfang mit Grußworten der Ehrengäste zum tausendjährigen Jubiläum. Pfarrerin Dr. Christina Bickel führte durch das Programm, indem sie in Form einer kleinen Reise durch das Kirchengebäude - passend zu den jeweiligen Wortbeiträgen - auf besondere Details hinwies: Frauendarstellungen, die Ritterschaftlichen Wappen in den Fenstern, die Wilhelmorgel sowie die neue Kunigundenskulptur.
Den Auftakt der Grußworte machte Pröpstin Katrin Wienold-Hocke als Vertreterin der Landeskirche. Sie sei ehrfürchtig an diesem bedeutenden Tag für die Landeskirche und die Region: „Teil dieser Geschichte zu sein, ist erhebend und macht gleichzeitig bescheiden.“ Sie beschrieb die Stiftskirche als „ausstrahlend, gastfreundlich, festlich und tief ergreifend“, ein Ort, an dem Menschen der Glaube näher gebracht werde - 1000 Jahre alt und dennoch jung geblieben. Pröpstin Wienold-Hocke dankte allen, die mit ihrem Engagement so viel Leben in die Stiftskirche bringen - jeder trage dazu bei, dass es ein Ort des Glaubens und der Gemeinschaft sei und bleibe.
Landrat Andreas Siebert dankte für den feierlichen Gottesdienst. Er verwies auf die lange Historie der Kirche: „Wenn Mauern sprechen könnten, hätten sie viel zu erzählen von Glaube, Hoffnung, Wandel, Geschichte.“ Viele Hände, Geldgeber und engagierte Organisatoren hätten zum Bauwerk in dieser schönen Form beigetragen: „Die Stiftskirche fordert uns nun heraus, Verantwortung auch für morgen zu übernehmen.“
Anschließend richtete der Vicemarschall des Ritterschaftlichen Stifts Kaufungen, Dr. Thilo von Trott zu Solz, das Wort an die Festgemeinde. Er betonte die historische Bedeutung des Jubiläums, es sei ein Meilenstein und starkes Zeugnis dafür, wie eng das Stift und die Stiftskirche miteinander verbunden seien. Das Ritterschaftliche Stift sei seit nunmehr 500 Jahren Eigentümer dieser Kirche. Die älteste Stiftung Hessens habe einen klaren gemeinnützigen und kirchlichen Auftrag, es sei wichtig Traditionen zu bewahren und zugleich offen zu sein für die Zukunft: „Das Stift Kaufungen wird sich stets mit Freude dafür einsetzen, dass die Kirche ein Kraftort bleibt, ein Ort des Friedens, des Zusammenhalts und der Hoffnung.“
„Schätze gilt es zu hegen und zu pflegen“ - mit diesen Worten leitete Dekanin i.R. Carmen Jelinek als Vorsitzende des Fördervereins Stiftskirche e.V. ihren Redebeitrag ein. Die Stiftskirche sei das Wahrzeichen Kaufungens, Identifikationsgebäude der Gemeinde und stehe für viele Bürgerinnen und Bürger für Heimat: „Sie lebt vom lebendigen Atem ihrer Menschen, die sich für diesen Schatz immer wieder einsetzen.“ Zum Glück liege die Pflege und der Erhalt auf mehreren Schultern. Jelinek, die für ihr eigenes großes Engagement beim Gemeindeempfang am Samstag den Ehrenbrief des Landes Hessen erhielt, sprach vielen Zuhörenden aus dem Herzen, als sie der Stiftskirche zurief: „Herzliche Glück- und Segenswünsche an die „alte Dame“, dass sie uns noch lange erfreuen wird.“
Aus Bamberg überbrachte der Zweite Bürgermeister, Jonas Glüsenkamp, viele Grüße: „Sie feiern heute auch mit 77.164 Bambergerinnen und Bambergern, die nur nicht kommen konnten, da in ihrer Stadt heute das Heinrichsfest begangen wird!“ Er verwies auf die enge Verbindung der beiden Gemeinden durch die ökumenische Gemeinschaft „Kaufunger Konvent“ und die große Rolle, die Heinrich und Kunigunde in beiden Gemeinden einnähmen. Als Zeichen hierfür entzündete Glüsenkamp eine Kerze, die beide historischen Personen nebeneinander aufweist.
Bürgermeister Arnim Roß freute sich über die guten Kontakte nach Bamberg und über das besondere Jubiläum: „Was für eine Zeit, was für eine besondere Epoche für unsere Gemeinde. 1000 Jahre ersturkundliche Erwähnung im Jahr 2011 und 1000 Jahre Kirchweihe heute!“ In Kaufungen zu leben, sei sicher zu allen Zeiten attraktiv und erstrebenswert gewesen, da dieser Ort und diese Gegend so schön seien, dass Kunigunde den Königshof von Kassel nach Kaufungen verlegte, hier ein Kloster gründete, die Stiftskirche erbauen ließ und nach ihrer Regentschaft sesshaft wurde bis zu ihrem Tod. „Und nun wird innerhalb von 14 Jahren schon das zweite 1000-jährige Jubiläum gefeiert - mit von den Bürgerinnen und Bürgern erdachten, kreierten und organisierten Veranstaltungen und einem hohen Grad an Authentizität.“ Gemeinde und Kirche gehörten zusammen, heute und im Mittelalter und dies beinhalte auch die institutionelle Kooperation zwischen Kirchengemeinde, Ritterschaftlichem Stift, Förderverein Stiftskirche und politischer Gemeinde: „Sie war bei beiden 1000-Jahrfeiern sehr gut. Dafür danke ich allen Verantwortlichen und natürlich auch allen, die sich engagiert haben - für ihren Einsatz und die vielen schönen Veranstaltungen, Begegnungen und Momente. Ich empfinde es als eine große Ehre, in dieser Periode Bürgermeister zu sein und bin sehr dankbar dafür.“
Als letzter Redner überbrachte Pfarrer Martin Gies die Grüße des Katholischen Dekanats Kassel-Hofgeismar und betonte die große Nähe und Verbundenheit für die Stiftskirche, in der er auch ein Zuhause spüren dürfe. Er gratulierte zu den vielen gelungenen Festveranstaltungen: „Dieses Haus motiviert Menschen, aus Steinen ein lebendiges Haus der Steine zu machen und das Haus als Ganzes erstreckt sich in die Herzen der Menschen hinein.“ Es ende nicht an der Kirchentür, sondern will Menschen überall zusammenführen. Die Kirche solle sprichwörtlich „im Dorfe bleiben“, um immer wieder auf den gemeinsamen Auftrag hinzuweisen.
Nach dem Empfang lud Pfarrerin Dr. Bickel die Festgemeinde zum anschließenden Gemeindefest ein - mit Sektempfang, Imbiss, Führungen und Spielmöglichkeiten für Kinder. Der große Feiertag wurde mit Begegnungen und Gesprächen abgerundet.
Doch mit dem Jubiläumsdatum der Kirchweihe ist das Feiern in diesem Jahr noch nicht zu Ende gegangen: Jeden Monat gibt es einige attraktive Gelegenheiten die Stiftskirche erneut zu besuchen:
- Öffentliche Führungen laden an jedem ersten Sonntag im Monat dazu ein, die Architektur, die jahrhundertealte Geschichte und kleine Schätze genauer zu entdecken.
- Am 23. August erwartet die Gäste beim „Picknick in weiß“ ein sommerlicher Abend.
- Zu einer Pilgerwanderung lädt der HWGHV Oberkaufungen am 14. September auf dem Kunigundenpfad ein.
- „KlangFaszinationRaum“ ist ein besonderes Orgelkonzert am 21. September - Bezirkskantor Martin Baumann spielt auf der Wilhelm-Orgel von 1802 sowie auf der Noeske-Orgel von 1974/1980.