Berufsorientierung mal anders - Generationen kommen in Bewegung
In Pflegeberufen fehlt der Nachwuchs – das ist keine Neuigkeit. Was für ein Projekt aber die MOVEO Nordhessen gGmbH seit November 2025 in Kaufungen umsetzt, das ist neu: In Kooperation mit der Integrativen Gesamtschule Kaufungen und dem DRK- Altenpflegeheim Kaufungen treffen junge Menschen auf die BewohnerInnen des Pflegeheims. Gefördert wird das Projekt von der ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten.
MOVEO ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der ganzheitlichen Bewegungsförderung widmet – daher ist das Projekt auch ein Sportliches: Die Schülerinnen und Schüler führen unter Anleitung erfahrener ReferentInnen und TrainerInnen gezielte Bewegungsangebote für die Senioren durch.
Das ist nicht nur für die körperliche, sondern auch für die mentale Gesundheit förderlich: In einem geschützten Raum können Begegnungen über die Generationen hinweg passieren. „Miteinander ins Gespräch kommen und dem Gegenüber einen Einblick in den jeweiligen Alltag verschaffen – so ein generationenübergreifender Austausch ist für beide Seiten wertvoll“, findet Heike Sokoll, Geschäftsführende Gesellschafterin von MOVEO.
Etwas Nützliches tun
Bürgermeister Arnim Roß war vor Ort, um sich das Projekt und dessen praktische Umsetzung anzuschauen. Der Verwaltungschef der Kunigundengemeinde folgte damit der Einladung von Heike Sokoll und lernte die drei Jugendlichen kennen, die das Projekt ehrenamtlich durchführen. Er zeigte sich beeindruckt von deren ehrenamtlichem Engagement. „Ich komme selbst aus der Altenpflege. Das ist ein Beruf, der viel Freude bringt“, so Roß.
Anastasiia (16 Jahre), Hordii (17 Jahre) und Ivan (16 Jahre) gehen auf die IGS Kaufungen. Warum sie sich für das Projekt gemeldet haben? Anastasiia sagte: „Ich freue mich, dass ich als junger Mensch etwas Nützliches tun kann. Das hilft auch meiner eigenen sozialen Entwicklung.“ Bei Hordii spielten positive Erfahrungen aus dem familiären Umfeld in die Entscheidung mit rein: „Meinte Tante arbeitet auch in der Pflege, daher kommt mein Interesse daran.“ Genauso wie bei Ivan, auch ihm fiel die Entscheidung daher nicht schwer, an dem Projekt teilzunehmen. Verantwortlich für die Koordination an der IGS ist Marion Neuhaus-Stitz, die sich mit viel Engagement für soziale AGs an der Schule einsetzt.
Bewegung und schnuddeln
Alle drei kommen einmal die Woche in das DRK Pflegeheim und leiten Bewohnerinnen und Bewohner zu Bewegung an. Die Übungen, die sich die drei selbst überlegen, finden im Sitzen statt und beginnen mit dem Kopf, dann kommen die Hände und schließlich die Füße. Dazwischen gibt es Pausen und Atemübungen, denn es geht hier nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern vor allem darum, in Bewegung zu kommen, die Gelenke zu bewegen, sich etwas zu dehnen.
Zwischen den Einheiten wird natürlich geschnuddelt. Das Angebot ist offen für alle Bewohnerinnen und Bewohner, viele sind zum wiederholten Mal da. „Die drei machen das ganz toll. Sie sind empathisch und freundlich und wir haben hier viel Spaß zusammen“, erzählte eine Bewohnerin. Von Übungen mit einem Ball, der weitergereicht wird, kreisende Bewegungen mit den Händen oder Dehnübungen für den Nacken – alle Teilnehmenden kommen hier in Bewegung und miteinander ins Gespräch.
Generation Alpha trifft auf die Nachkriegsgeneration
Geschäftsführer Stephan Kratzenberg und Heimleiter Sebastian Bloch freuen sich über das Projekt und dessen gelungene Umsetzung. Dass hier Generation Alpha auf die Nachkriegsgeneration trifft, finden sie spannend. Durch das Projekt können außerdem die jungen Erwachsenen niedrigschwellig Erfahrung im Umgang mit älteren und pflegebedürftigen Menschen sammeln und mit dem Personal vor Ort ins Gespräch kommen. “Für uns ergeben sich so auch Kontakte zu potenziellen Auszubildenden“, so Bloch.
Das Projekt wird derzeit ebenfalls in Ahnatal durchgeführt und soll zukünftig auch für SeniorInnen geöffnet werden, die nicht im Altenpflegeheim wohnen. Der Kontakt nach Kaufungen entstand für Heike Sokoll über Reinhard Fehr, beide kennen sich aus dem Sportkreis Kassel.
Was besonders schön ist: Anastasiia, Hordii und Ivan haben sich alle drei bereits entschieden, nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung im Pflege-Bereich zu beginnen.