Die gemeinsame Geschichte feiern: Empfang der Kunigundengemeinde Kaufungen anlässlich »1000 Jahre Stiftskirche«
Zu einem ganz besonderen Empfang hat die Kunigundengemeinde Kaufungen in den großen Saal des Bürgerhauses eingeladen: Zum Jubiläum „1000 Jahre Stiftskirche“ spannte sich ein vielfältiges Programm über einen festlichen Abend, dass das historische Erbe von Kaufungens Stiftskirche würdigte und die bewegte Geschichte über ein ganzes Jahrtausend beleuchtete.
Nach einem Sektempfang und der musikalischen Eröffnung durch das Orchester der Spielgemeinschaft Nieste-Kaufungen begrüßte Bürgermeister Arnim Roß die rund 300 Gäste in dem festlich dekorierten Saal. Etwas provokant warf er die Frage nach der Zeitgemäßheit der Veranstaltung auf: „Ein Empfang einer politischen Gemeinde für eine Kirche? Im 21. Jahrhundert?“ und stellte direkt darauf fest: „Wir tun es aus Überzeugung und weil es Teil unserer Identität ist. Mit Heinrich und Kunigunde begann die greifbare Ortsgeschichte.“ Die Stiftskirche, die an diesem Wochenende gefeiert wurde, sei ein Ort, wo Glaube und Kultur zu Hause seien und der das Ortsbild einzigartig präge, so Roß. Er betonte auch die guten Beziehungen zu den historisch über Kunigunde und das Kloster mit Kaufungen verbundenen Städten und Gemeinden, die sich über die halbe Republik nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern verteilten. Sie waren alle zu dem Empfang eingeladen und aus 17 Kommunen kamen Delegationen angereist. Die weitesten Anfahrten hatten Bamberg und Trimbs an der Mosel.
Landrat Andreas Siebert schloss sich dem Grußwort an und betonte, er fände toll, wie die Gemeinde in Kaufungen immer wieder zusammenkomme. „Darauf können Sie alle wirklich stolz sein“, sagte Siebert und Applaus brandete auf. „In Kaufungen wird die eigene Geschichte wertgeschätzt, das ist etwas Besonderes.“
Wertschätzende Worte fand auch Jonas Glüsenkamp, Zweiter Bürgermeister der Stadt Bamberg: „Die Freundschaft zwischen Kaufungen und Bamberg ist richtig spürbar“, sagte Glüsenkamp, der auch nochmal herzlich zu der Verleihung des Zusatznamens Kunigundengemeinde gratulierte. Bamberg und Kaufungen verbindet eine enge Beziehung: Durch die ökumenische Gemeinschaft „Kaufunger Konvent“ pflegt Kaufungen bereits seit vielen Jahrzehnten gute Kontakte nach Bamberg, eine Stadt, die durch das Herrscherpaar ebenfalls nachhaltig geprägt wurde.
Nach einem weiteren Musikstück der Spielgemeinschaft Nieste-Kaufungen sprach Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur, in seiner Festrede von Kaufungen als Ort gelebter Gemeinschaft. „Ob im Ehrenamt, in der Politik oder im Alltag“, sagte Gremmels. „Ich kenne nur wenige Gemeinden, die so sehr das bürgerschaftliche Engagement feiern.“
Eine besondere Ehrung wurde anschließend Carmen Jelinek, Dekanin i.R. zuteil: Sie erhielt den Ehrenbrief des Landes Hessen. Damit wurde Jelineks außergewöhnliches, jahrzehntelanges Engagement für die Stiftskirche und die evangelische Kirchengemeinde Oberkaufungen auf Landesebene gewürdigt.
Jelinek war nahezu 26 Jahre Dekanin in Oberkaufungen, ist Gründungsmitglied und Vorsitzende des Fördervereins Stiftskirche Kaufungen e.V., beteiligte sich maßgeblich an der Renovierung der Stiftskirche und zuletzt an der Initiative für die Aufstellung einer Kunigunden-Skulptur, die vor der Stiftskirche platziert wurde. Jelinek nahm die Ehrung sehr erfreut von Timon Gremmels entgegen. „Mir bleibt ein bisschen die Sprache weg“, sagte sie mit einem Lächeln. Sie kam vor 26 Jahren nach Kaufungen und eine Anekdote ist ihr in besonderer Erinnerung geblieben: „Ich habe mich mit ein paar Leuten unterhalten, die im Urlaub waren. Sie erzählten mir, dass sie zwar gerne auch mal wegfahren, aber erst wenn sie wieder nach Kaufungen zurückkehren und den Turm der Stiftskirche sehen, kehrt innere Ruhe ein und sie wissen: Wir sind zuhause!“
Zu den Gästen des Abends zählten neben dem Staatsminister Gremmels und Bambergs Bürgermeister Jonas Glüsenkamp auch der Bundestagsabgeordnete Daniel Bettermann, Landtagsabgeordnete Anna-Maria Schölch, Staatssekretärin Manuela Strube, Landrat a.D., Dr. Udo Schlitzberger und Kaufungens Ehrenbürgermeister Gerhard Iske. Außerdem gratulierten noch Vertreterinnen und Vertreter der Städte und Gemeinden – vor allem jener mit historischen Verbindungen zu Kaufungen-, des Ritterschaftlichen Stiftes Kaufungen, der Kirchengemeinden und aus Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, Handel, Banken, Gewerbe und Handwerk.
Die Gäste wurden schließlich auf eine besondere Zeitreise entführt: Kaiserin Kunigunde und ihr Gatte Heinrich II. zogen samt Gefolge in den Saal ein und nahmen vor der Bühne Platz. Dort wurde das Theaterstück „Schenkung der Siedlung Wolfsanger und der Kirche St. Johannis Baptistae an das Kloster Kaufungen“, von Jürgen Pasche und Ulla Kotzur von der evangelischen Kirchengemeinde Wolfsanger aufgeführt.
Nach dem Stück erhoben sich Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich II. und dankten den Schauspielenden, hielten eine Ansprache und zitierten den Schultheis, also Bürgermeister Arnim Roß, zu sich. Sie hatten ihrerseits nämlich auch ein Geschenk dabei: Feierlich enthüllten sie gemeinsam ein Ortsschild mit Kaufungens neuer Zusatzbezeichnung „Kunigundengemeinde“.
So wurden elegant Vergangenheit und Gegenwart miteinander verflochten. Dabei traten Carmen Döll und Matthias Hörner vom Mittelalterverein Coufunga als Kunigunde und Heinrich II. auf.
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl Hellmich sprach das Schlusswort zum offiziellen Teil und bedankte sich bei allen Gästen für ihr Erscheinen zum gemeinsamen Feiern von 1000 Jahren Stiftskirche.
Außerdem weihte er das Publikum in ein gut gehütetes Geheimnis ein: Kaufungen hat jetzt eigene Briefmarken! Die drei Motive, die die Stiftskirche, die Kaufunger Konzerte und die Kunigunden-Skulptur von Karin Bormann-Roth zeigen, können zukünftig von Kaufungen in die ganze Welt versendet werden.
Der Empfang klang anschließend bei kulinarischen Köstlichkeiten und kühlen Getränken aus, ein schöner Abschluss eines festlichen Abends.