Kaufungen reist zurück ins Mittelalter
Wenn der Duft von Met, frisch gebackenem Brot und Feuer in der Luft liegt, dann weiß man: Kaufungen ist zurück im Mittelalter. Am 5. und 6. Juli verwandelte sich der Stiftshof in eine schillernde Bühne für Ritter, Gaukler, Mägde und allerlei Volk – das Mittelalterfest 2025, veranstaltet von der Gemeinde Kaufungen, dem Mittelalterverein Coufunga und der Kirchengemeinde Oberkaufungen, wurde zu einem Erlebnis für Jung und Alt.
Den feierlichen Auftakt machte Bürgermeister Arnim Roß, der in seiner mittelalterlichen Rolle als Schultheiß das Fest offiziell eröffnete. Unter dem Beifall der Besuchenden sprach er einige Worte zur Verbindung zwischen Geschichte, Tradition und Gemeinschaft in Kaufungen – und gab damit das Signal für ein Wochenende voller historischer Eindrücke. Gleich im Anschluss musste sich Museumsleiter Hauke Homeier einer besonderen mittelalterlichen Tradition stellen: einer „Giftprobe“ – also einer humorvoll inszenierten Biertestung –, die unter den amüsierten Blicken der Gäste für viel Heiterkeit sorgte.
Ein Wochenende wie aus einer anderen Zeit
Rund 2.500 Besucherinnen und Besucher ließen sich vom Flair vergangener Jahrhunderte verzaubern. Historisch gewandete Händler, Musikanten und Künstler brachten authentisches Leben in den Stiftshof. Handgefertigte Waren, rustikale Speisen und liebevoll gestaltete Mitmachangebote luden zum Staunen und Verweilen ein. Besonders die Kinder-Mitmachzone erfreute sich großer Beliebtheit: Hier wurde eifrig gewerkelt – Lederarmbänder und -beutel gestaltet, Speckstein geschnitzt, Kerzen gedreht und unter fachkundiger Anleitung geschmiedet.
Ein kaiserlicher Auftritt mit Gänsehautfaktor
Ein ganz besonderes Highlight des Mittelalterfests war der feierliche Einzug des Kaiserpaares am Samstagnachmittag. Angeführt von den mittelalterlichen Klängen der Musikgruppe „Unvermeydbar“ und begleitet von den eindrucksvollen Stelzenläufern der Künstlergruppe INCANTO aus Berlin, wurde der Auftritt zu einem echten Gänsehautmoment. Als Kunigunde und Heinrich in prächtiger Gewandung mit ihrem Gefolge durch den Stiftshof schritten, wurde die ferne Vergangenheit auf eindrucksvolle Weise lebendig.
Eine Zeitreise zu starken Frauen im Mittelaltergottesdienst
Am Sonntag fand ein mittelalterlicher Gottesdienst in der Stiftskirche statt, musikalisch gerahmt von Bezirkskantor Martin Baumann an der Orgel und Henner Brosius an der Flöte. Regionalmuseumsleiter Hauke Homeier mimte einen Zeitreisenden, der in die Zeit von Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich II. zurückreiste und die Gottesdienstbesuchenden mit sich nahm.
Der Gottesdienst wurde in Teilen von Nonne Julia Jeschke auf Latein gehalten. Dekanin Anja Fülling, Carmen Döll und Claudia Meth mimten die Korbflechterin Klara Binsenstiel, Kaiserin Kunigunde und Magdalena. Bis auf Kunigunde handelte es sich dabei um fiktive Figuren, die aber ebenso wie Kunigunde starke Frauen darstellten, die, wie Hauke Homeier am Ende resümierte, „nicht nur als Fußnote, sondern als das lebendige Herz unserer Geschichte“ erinnert werden sollten.
Von Filmmusik bis Funk: Musikschule Söhre-Kaufunger Wald begeisterte im Konzert
Anschließend zum Mittelaltergottesdienst sorgten die Musikerinnen und Musiker der Musikschule Söhre-Kaufunger Wald für ein weiteres Highlight: In der vollbesetzten Stiftskirche präsentierte Mario Heilmann, Leiter der Musikschule, mit seinen SchülerInnen ein stimmungsvolles Mittelalterkonzert mit einer Vielfalt historischer und moderner Instrumente. Von Orchester bis Funk war alles dabei, Filmmusik wurde genauso gespielt wie klassische Stücke. Die Standing Ovations am Ende sprachen Bände – das Publikum war restlos begeistert.
Von Musik, Magie und Mäusen
Für musikalische Unterhaltung im Stiftshof sorgte auch die Mittelalterband „Unvermeydbar“ aus Kassel, die mit einer mitreißenden Mischung aus traditionellen Klängen und rockigen Interpretationen gleich mehrfach am Tag für ausgelassene Stimmung sorgte – ob am helllichten Nachmittag oder beim stimmungsvollen Abendkonzert unter freiem Himmel. Selbst von kurzen Regenschauern am Sonntag ließen sie sich nicht aufhalten – kurzerhand verwandelte sich die Zehntscheune in eine Tanzfläche. Zwischen den Liedern gab es Ausrufe und allerlei Schabernack, sehr zur Freude des Publikums.
In der Menge unterwegs: Die Künstlergruppe INCANTO schwang sich auf Stelzen in luftige Höhen und erkundete das Gelände. Mal still und geheimnisvoll, mal verspielt und schillernd – ihre fantastischen Zauberwesen sorgten bei Groß und Klein für leuchtende Augen.
Sein Glück herausfordern konnte man bei Magalies Mausroulette: An ihrem fahrenden Stand setzten risikobereite Besuchende all ihre Goldmünzen auf eine Maus – die hatte ihre eigene kleine Festung und suchte sich aus, in welches Gebäude sie laufen wollte. Wer richtig gewettet hatte, bekam ein Überraschungsgeschenk. Wer verloren hatte, konnte nicht böse sein, bei den niedlichen Mäusen und ihrer bezaubernden „Dompteurin“ Magalie.
Nicht zu vergessen: Gerhardus der Gaukler, der im Stiftshof mit Jonglage, Schalk und scharfer Zunge die Lacher stets auf seiner Seite hatte. Ob bei Späßen am Rande oder auf der Bühne – er war der lebende Beweis, dass das Mittelalter alles andere als düster sein muss.
Nach einem gelungenen Fest resümierte Bürgermeister Arnim Roß: „Wir sagen Danke – an alle Mitwirkenden, Händler, Musiker, Künstler und vor allem: an die Besucherinnen und Besucher, die das Mittelalter mit Leben gefüllt haben.“ Das Fest habe einmal mehr gezeigt, wie lebendig die Verbindung zwischen Kunigunde, der Gemeinde Kaufungen und der Stiftskirche ist – ein gelebtes Stück Geschichte.