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Aktuelle Sonderausstellung in der Alten Schule (bis 19. Juli 2022) »Auf dem Land war das anders«? Frauenleben nach 1945

Von Frauen auf dem Dorf wurde Vieles selbstverständlich erwartet – wie die Mitarbeit in der familieneigenen Landwirtschaft und der Zuverdienst.
Sie haben sich Anderes mühsam erkämpft – wie eine gute Berufsausbildung, wirtschaftliche Selbstständigkeit, den Führerschein oder politische Teilhabe.
Und Manches haben Frauen gemeinsam bewältigt – wie Ernteeinsätze, Nachbarschaftshilfe, Vereinsarbeit oder die Organisation von Dorffesten.

Die meisten Kaufunger Familien – Alteingesessene wie Zugezogene – lebten in den Nachkriegsjahren bescheiden. Hausfrauen mussten sparen. Sie produzierten Lebensmittel selbst und nähten, änderten, reparierten Kleidung und Haushaltswäsche. Später sparte man für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse: für ein eigenes Schlafzimmer, die eigene Wohnung, das Häuschen oder das eigene Geschäft und auf den Höfen oft für die Anschaffung von Maschinen. Seit den 1960er Jahren wurden auch Dinge erstanden, die die Hausarbeit erleichterten, wie Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger, Küchenmaschine oder Dampftopf.
Kaufungerinnen haben Informationen, Fotos, Dokumente und Gegenstände beigetragen. „Ich habe nicht gespielt – ich musste immer arbeiten“, erinnerte sich eine 1936 geborene Niederkaufunger Bauerntochter. Und eine gleichaltrige Fabrikarbeiterin berichtete von ihrer Familiengründung: „Mit dem Kind habe ich nicht mehr gearbeitet, da musste sein Geld reichen.“

Schürzen für alle Gelegenheiten, geerbte Aussteuerstücke, textile Gebrauchsgegenstände aus dem Handarbeitsunterricht, das Schulkochbuch oder „Mädchenliteratur“ erinnern an alte Rollenmuster.
„Kinder, Küche, Kirche“, Landarbeit und das „Mithelfen“ prägten den Frauenalltag in den Kaufunger Dörfern auch noch nach dem zweiten Weltkrieg. In vielen kleinen Aufbrüchen wandelte sich die traditionelle Frauenrolle. „Tante Emma-Läden“ wurden in den 1960ern von Frauen geführt, und die Frauen auf den Aussiedlerhöfen managten ihren Arbeitsplatz professionell und selbstständig. Auch Kleinbäuerinnen arbeiteten mit dem Trecker auf dem Land – während die Männer nach Kassel zur Arbeit pendelten. Langsam setzte sich durch, dass auch Mädchen eine Berufsausbildung bekamen. Mit der Gesamtschule verbesserten sich die Bildungs- und Berufschancen besonders der weiblichen Dorfjugend in den 1970er Jahren. Nun zogen vermehrt Menschen mit anderen Erfahrungen, Ausbildungen, Lebensentwürfen ins Dorf. Gesellschaftliches, politisches Engagement auch und gerade von Frauen veränderte das dörfliche Zusammenleben.

Wann wir Sie wieder im Museum Kaufungen begrüßen können, entnehmen Sie bitte dieser Homepage unter "Öffnungszeiten".