»Obst bringt Menschen zusammen« - Obstmanufaktur erhält Sortenvielfalt von Äpfeln und Birnen
Eine ganze Regalwand an Expertise erwartet einen in den Räumen der Obstmanufaktur in der Kommune Niederkaufungen. Jedes einzelne Buch enthält Wissen zum Thema Obst. Was viele nicht wissen: Die Kunigundengemeinde Kaufungen ist ein Hotspot der Sortenvielfalt von Äpfeln und Birnen.
Verantwortlich dafür sind Jan Bade und sein Team der Obstmanufaktur, Teil der Kommune Niederkaufungen und des Vereins „Alles im grünen Bereich“, die sich aktiv um die Pflege alter Streuobstbestände bemühen, die Anlage neuer Obstwiesen, die Beschäftigung mit alten bewährten Sorten, die Verarbeitung der Ernte und die Weitergabe des erlangten Wissens über Fortbildungen und Seminare.
Besonders spannend bei der Obstsortenbestimmung: Es gibt keinen einheitlichen Bestimmungsschlüssel wie bei anderen Pflanzen. Das Wissen darüber kann nur von Mensch zu Mensch weitergeben werden und dann mithilfe der Literatur kontrolliert werden.
Auch der Erhalt der Sortenvielfalt bei Äpfeln und Birnen „ist gar nicht so leicht“, erklärt Jan Bade. „Es reicht nämlich nicht aus, die Kerne aufzubewahren und wieder einzupflanzen: Notwendig sind lebende Pflanzen, da die Kerne nicht die eigentliche Sorte genetisch beinhalten, sondern eine leicht abgewandelte Variante.“ Also müssen die Bäume der unterschiedlichen Sorten angepflanzt und gepflegt werden, so können dann die exakten Sorten erhalten werden.
Und genau das macht die Obstmanufaktur: In Kaufungen stehen auf eigenen Flächen der Kommune Niederkaufungen sowie auf gemeindlich verpachteten Flächen rund 650 verschiedene Birnensorten und circa 500 Apfelsorten. Auch die Weitergabe des Wissens und der Austausch ist den Mitarbeitenden der Obstmanufaktur wichtig, mehrmals im Jahr finden Vermittlungsangebote rund um Äpfel und Birnen statt, zu denen teilweise Pomologen aus ganz Europa in die Kunigundengemeinde reisen.
Pomologen nennt man die Expertinnen und Experten für Obst, abgeleitet von dem lateinischen Wort pomum für Baumfrucht beziehungsweise der Göttin der Gartenfrüchte, Pomona.
Die umfangreiche Sortensammlung in Kaufungen ist Teil des bundesweiten Sortenerhaltungsprojekts des Pomologen-Vereins, an dessen Aufbau die Obstmanufaktur maßgeblich beteiligt ist. „Das Schöne an Obst ist, dass es Menschen auf positive Art zusammenbringt“, findet Jan Bade. „Es ist gesund und lecker und fast jeder hat ein paar Äpfel oder Birnen im heimischen Obstkorb liegen.“
Wer sich als Privatperson an der Sortenerhaltung beteiligen möchte, kann das tun: Einmal jährlich können Triebe der verschiedenen Sorten bei der Obstmanufaktur bestellt werden. So kann ganz einfach im heimischen Garten eine alte Obst- oder Birnensorte gezogen werden.
Das Thema der Sortenerhaltung in Kaufungen ist natürlich auch ein praktisches – denn ein Schwerpunkt des Projekts ist, dass die Sorten an unterschiedlichen Standorten auf sogenannten starkwachsenden Wurzelunterlagen angepflanzt werden – damit wird eine möglichst lange Lebensdauer der Bäume erreicht. Ein weiterer sich daraus ergebender Vorteil ist die wesentlich größere Toleranz gegenüber Klimaschwankungen.
Lisa Haubner vom Team des Klimaschutzmanagements der Gemeinde Kaufungen freut sich über das besondere Projekt der Sortenerhaltung direkt vor Ort: „Der Erhalt alter Obstsorten verbindet Klimaschutz, Biodiversität und regionale Ernährung. Streuobstwiesen sind wertvolle Lebensräume, binden CO₂ und zeigen, wie nachhaltige Landnutzung und gemeinschaftliches Engagement zusammenwirken können.“
Julias Krause, Klimaanpassungsmanager der Kunigundengemeinde ergänzt: „Angesichts immer heißerer und trockenerer Sommer ist Sortenvielfalt ein zentraler Baustein der Klimaanpassung. Je größer die genetische Bandbreite, desto höher die Chance auf robuste, zukunftsfähige Obstsorten – gut, dass hier in Kaufungen aktiv vorgesorgt wird.“
Weiterführende Informationen finden Sie hier: https://www.obstmanufaktur.com