Privates Bauvorhaben im Schoppenbergweg - Gemeinde informiert über Sachstand
Im Zuge von privaten Bauarbeiten für ein vom Landkreis Kassel (Bauaufsicht) genehmigtes Vorhaben zur Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern im Schoppenbergweg wurde beim Aushub einer rund vier Meter tiefen Baugrube unerwartet eine erhebliche Menge Wasser angetroffen.
Diese starke Wasserzufuhr ist nach aktuellem Kenntnisstand insbesondere auf die vorhandenen Bodenverhältnisse sowie die vorangegangenen intensiven Niederschläge zurückzuführen. Laut Standsicherheitsnachweis, den der Bauherr als Auflage des Landkreises Kassel zur Baugenehmigung hatte erstellen lassen, bestehen die Böden in diesem Bereich überwiegend aus tonigen, humosen und staunassen Schichten mit Anteilen von Braunkohle.
Da das Wasser weder vollständig gestoppt noch oberirdisch abgeleitet werden konnte, wurde es unter fachlicher Begleitung der gemeindlichen Abwasserentsorgung in den Mischwasserkanal eingeleitet.
Die von Anwohnerinnen und Anwohnern geschilderten Geruchsbelästigungen konnten von der Gemeinde nachvollzogen werden. Nach derzeitigem Stand sind diese auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen: Zum einen führen organische Zersetzungsprozesse im Boden – bedingt durch Humusanteile – zu Geruchsentwicklungen. Zum anderen können mineralische Auswaschungen aus dem ehemaligen Bergbaubereich eine Rolle spielen.
Hinzu kommen hydraulische Effekte im Kanalnetz. Durch die Einleitung größerer Wassermengen kann es zu Unterdrucksituationen kommen, wodurch Gerüche aus dem Kanal über Hausanschlüsse in Gebäude gelangen können. Eine Überprüfung durch die Feuerwehr hat ergeben, dass weder Methangas noch Mineralölprodukte ausgetreten sind. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass es sich bei dem in die Baugrube einfließenden Wasser nicht um Grundwasser handelt.
Bergschadensereignis in der Niester Straße
Parallel zu den Ereignissen in der Baugrube ist es im Bereich der Niester Straße zu einem Bergschadensereignis gekommen. Dabei hat sich der Vorgarten eines Privathauses gesetzt. Ein vergleichbarer Vorfall hatte sich dort bereits im Jahr 2013 ereignet. Recherchen hatten damals ergeben, dass sich direkt unter dem Vorgarten ein verfüllter Schacht aus früheren Bergbauzeiten befindet. Der Bergbau war in Kaufungen bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eingestellt worden. Die damalige Zeche hatte die Anlagen auf ihrem Firmengelände zurückgebaut und rekultiviert und in den 1970er und 1980er Jahren die Grundstücke verkauft und ein Wohngebiet etabliert. Beim aktuellen Vorfall zeigen sich außerdem Risse in der gemeindlichen Wohnstraße.
Ein von Anliegern und Gemeinde beauftragter Geologe schließt einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen derzeit nicht aus, belegbar ist dies aber nicht und eine belastbare Aussage daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Die Kunigundengemeinde Kaufungen hat zur weiteren Klärung ein detailliertes Gutachten in Auftrag gegeben.
Behörden wurden frühzeitig eingebunden
Die zuständigen Behörden, insbesondere die Bauaufsicht, das Regierungspräsidium Kassel sowie die Untere Wasserbehörde des Landkreises Kassel, wurden in beide Vorgänge unmittelbar eingebunden. Die besonderen geologischen Bedingungen des ehemaligen Bergbaugebiets waren den Behörden bekannt und führten bei der Baugenehmigung zu entsprechenden Hinweisen an den Bauherrn zur Beachtung.
Die Kunigundengemeinde Kaufungen wird die weiteren Erkenntnisse sorgfältig auswerten und die Anwohnerinnen und Anwohner fortlaufend informieren und unterstützen.