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30.04.2026

Gutachten bestätigt Zusammenhang zwischen Baugrubenaushub und Geländeveränderungen im ehemaligen Oberkaufunger Bergbaugebiet: Gemeinde leitet Sofortmaßnahmen ein

Ein aktuelles Fachgutachten bringt Klarheit in einen Vorfall, der die Bürgerinnen und Bürger der Kunigundengemeinde seit mehreren Wochen beschäftigt. Danach besteht ein Zusammenhang zwischen dem Aushub einer Baugrube im Schoppenbergweg und den in der Folge aufgetretenen Geländeveränderungen im Bereich Niester Straße und Zechenplatz.

Im Zuge eines genehmigten Bauvorhabens für ein Mehrfamilienhaus hatte eine private Baufirma eine Baugrube ausgehoben. Die entsprechende Genehmigung war im Rahmen eines vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens durch den Landkreis Kassel erteilt worden und enthielt bereits Hinweise auf bergbauliche Altstrukturen, insbesondere auf einen sogenannten Passstollen.

Bereits kurz nach dem Aushub, Mitte Februar, kam es zu einem unerwarteten Wassereintritt: Die Baugrube füllte sich vollständig. Da das Wasser weder dauerhaft gestoppt noch oberirdisch abgeleitet werden konnte, wurde es unter fachlicher Begleitung der Gemeindebetriebe über den Mischwasserkanal abgeführt. Eine vorangegangene Analyse bestätigte, dass keine Verunreinigung durch Mineralöl vorlag. Das weiterhin nachströmende Wasser wird derzeit fortlaufend abgepumpt.

Zeitgleich wurden Schäden in der Umgebung festgestellt: In einem Vorgarten an der Niester Straße entstand ein Erdfall, zudem traten Risse an mehreren Gebäuden in der Niester Straße sowie im Straßenbereich des Zechenplatzes auf.

Die Gemeinde beauftragte daraufhin einen unabhängigen Fachgutachter. Dessen Ergebnis ist deutlich: Beim Aushub der Baugrube wurde der historische Passstollen beschädigt. Dieser gemauerte Entwässerungsstollen aus der Zeit des Bergbaus diente ursprünglich dazu, Grubenwasser kontrolliert in Richtung Lempersbach abzuleiten. Durch die Beschädigung kann nun aufgestautes Stollenwasser unkontrolliert aus dem unterirdischen Stollen- und Grubensystem austreten. Dabei werden Erdreich, Sand, Geröll und Sedimente ausgespült.

Um weitere Schäden an Infrastruktur und Gebäuden zu verhindern, hat die Kunigundengemeinde in enger Abstimmung mit einem beauftragten Geologen umgehend ordnungsbehördliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eingeleitet. Geplant ist, die betroffenen Stollenbereiche dauerhaft zu sichern: Hierzu wird in den Passstollen sowie angrenzende Stollen eine erhärtende Suspension eingebracht. Zusätzlich werden im öffentlichen Raum rund 400 bis 500 Bohrungen mit einer Tiefe von bis zu 15 Metern durchgeführt, in die wiederum ebenfalls eine erhärtende Suspension eingebracht wird, um das umliegende Erdreich zu stabilisieren und weitere Ausspülungen zu verhindern.

Die Arbeiten sind technisch aufwendig und werden voraussichtlich etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Das geschätzte Kostenvolumen liegt bei ca. 1,3 Millionen Euro netto. Neben der Gemeinde sind mehrere Behörden in die Maßnahmen eingebunden, darunter der Landkreis Kassel, das Regierungspräsidiums Kassel sowie Hessen Mobil.

Die Kunigundengemeinde stellt klar, dass sie nicht Verursacherin des Schadens ist. Die eingeleiteten Maßnahmen erfolgen im Rahmen der Gefahrenabwehr. Vor diesem Hintergrund behält sich die Kunigundengemeinde ausdrücklich vor, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Zum Hintergrund:

Unter dem betroffenen Grundstück verläuft ein historischer Passstollen aus der Zeit des Bergbaus, der vor rund 100 Jahren stillgelegt wurde. Dieser diente der Entwässerung des Untertageabbaus und leitete Wasser in Richtung Lempersbach ab. Nach Einstellung des Bergbaus im Jahr 1926 wurde der Stollen verschlossen. Mit dem Passstollen ist ein weit verzweigtes Stollensystem verbunden. Dieses ist dokumentiert und unter anderem bei der Bergaufsicht einsehbar.