Mit der Obstmanufaktur durch das Jahr: Die Obstsorten von morgen ermitteln

Gemeinsam mit dem Lisa Haubner vom Team Klimaschutz und Julius Krause, Klimaanpassungsmanager, treffen wir Jan Bade von der Obstmanufaktur wieder, Teil der Kommune Niederkaufungen und des landwirtschaftlichen Betriebs „Alles im grünen Bereich“. Bade und sein Team bemühen sich in ihrer Arbeit aktiv um die Pflege alter Streuobstbestände, die Anlage neuer Obstwiesen, die Beschäftigung mit alten bewährten Sorten, die Verarbeitung der Ernte und die Weitergabe des erlangten Wissens über Fortbildungen und Seminare.

Anfang des Jahres berichteten wir bereits detailliert über den Erhalt der Sortenvielfalt in der Kunigundengemeinde. Ende Mai treffen wir uns auf einer Obstwiese der Kommune Niederkaufungen. Hier ist auf knapp 600 Quadratmetern Fläche ein „Raritätenkabinett“ zu finden, wie Bade es bezeichnet. Das ist keine Streuobstwiese, wie eine unserer Flächen an der Steinkopfbaude“, erläuterte Bade. „Hier in Niederkaufungen stehen nämlich auf recht kleiner Fläche viele Bäume und Jungpflanzen dicht an dicht. Das hier ist unser Experimentierfeld.“ Denn auf dieser Wiese sind nicht nur Äpfel- und Birnenbäume, sondern beispielsweise auch Aprikosenbäume und Beerenobst angebaut, meist im kurzen Abstand von etwa vier Metern. Auf einer klassischen Streuobstwiese, wie der an der Steinkopfbaude, befinden sich etwa zwölf Meter zwischen den Bäumen, da die Bäume den Abstand einerseits zum Wachsen brauchen und andererseits die Bewirtschaftung der Wiese etwa mit Maschinen oder durch Tiere dazukommt, daher rührt der Platzbedarf. Auf der Wiese in Niederkaufungen ist das nicht notwendig, da dort erstmal beobachtet wird, wie sich die jeweiligen Sorten unter den Klimabedingungen entwickeln.

Resilienz der Obstsorten wird geprüft

Auch ein Birnenbeet mit rund 400 verschiedenen Sorten zeigte Bade. Hier forschen er und sein Team beispielsweise welche Birnensorten „die Sorten von morgen sein könnten“, wie es Bade ausdrückte. „Das Klima wird in jede Richtung immer extremer. Wir erleben häufigere Trockenphasen, gleichzeitig treten Starkregenereignisse intensiver und häufiger auf. Der Niederschlag zum Beispiel kommt nicht mehr gleichmäßig über das Jahr verteilt, die Sommer werden immer trockener während im Winter häufiger größere Regenmengen fallen“, erläuterte dazu Julius Krause, Klimaanpassungsmanager der Kunigundengemeinde. Wie die Sorten auf die neuen Klimabedingungen reagieren, wird hier erfasst, eine Wetterstation misst die entsprechenden Parameter an dem Standort.

„Das sind Prozesse, die sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken. Aktuell erfassen wir immer mehr Schädigungen durch Hitzestress bzw. Sonnenbrand“, so Bade. Das ist ein großes Problem, denn je mehr Blätter durch Sonnenbrand absterben, umso weniger Früchte können abgeerntet werden – denn Blätter sind die Lebensgrundlage des Obstbaums. Sie erzeugen Energie durch Photosynthese, versorgen so die Früchte mit Nährstoffen und regulieren den Wasserhaushalt des Baums. „Viele Bäume reagieren auf den Stress durch die Hitze damit, dass sie das Obst dann vorzeitig abwerfen“, fügte Bade hinzu.

Für die Zukunft arbeiten

Wichtig sei also, zu erforschen, welche Obstsorten resilienter auf die starken Klimaschwankungen reagieren als andere, so Bade. Dabei spiele auch die Wurzelunterlage eine große Rolle – es gäbe schwach-, mittel- und starkwachsende. Dadurch wird im Wesentlichen die spätere Größe des Baumes bestimmt aber auch noch weitere Eigenschaften wie zum Beispiel ein früherer Ertragsbeginn. Im klassischen Obstbau nutzt man in der Regel schwach wachsende Wurzelunterlagen – auf Streuobstwiesen werden hingegegen eher stark wachsende genutzt.

Damit die Ergebnisse zu den Auswirkungen der Klimabedingungen auf die Bäume nicht verfälscht werden, wird von dem Team der Obstmanufaktur weder Pflanzenschutzmittel eingesetzt noch zusätzlich bewässert. Es kommt alleine auf das Wetter an. Jan Bade blickt realistisch auf seine Forschung: „Ich dachte eine Zeit lang, damit tue ich was für meine Kinder und Enkelkinder. Irgendwann habe ich erkannt: Ich mache es eigentlich schon für mich, da sich das Klima so schnell ändert. Aber: Für eine bessere Zukunft zu arbeiten gibt mir ein gutes Gefühl.“

Der nächste wichtige Termin für die Obstmanufaktur ist die Ernte im August, die wir auch begleiten werden. Weiterführende Informationen finden Sie hier: https://www.obstmanufaktur.com/.