Kunigundenskulptur
Auf Initiative von Kaiserin Kunigunde und ihrem Mann Heinrich II. wurde 1017 in Kaufungen ein Benediktinerinnenkloster gegründet. Im Jahr 1025 wurde die Klosterkirche „Zum Heiligen Kreuz“ (heute: Stiftskirche) geweiht. Bei dieser Gelegenheit trat Kunigunde als Nonne in das Kloster ein und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahre 1033. Seit 2025 trägt Kaufungen offiziell die Zusatzbezeichnung „Kunigundengemeinde“.
Anlässlich des Festwochenendes „1000 Jahre Stiftskirche“ wurde Kaiserin Kunigunde nicht nur symbolisch, sondern auch sichtbar in Kaufungen verankert: Der Förderverein Stiftskirche initiierte die Aufstellung einer Bronze-Skulptur der Kaiserin, geschaffen von der Künstlerin Karin Bohrmann-Roth. Die rund zwei Meter hohen Figur wurde direkt neben dem Eingangsportal der Stiftskirche platziert – ein symbolischer Ort, der Kunigundes Wandel von der Kaiserin zur einfachen Nonne im Kloster unterstreicht.
Die Idee
Regina Kirsch, ehemalige Frauenbeauftragte der Universität Kassel, ist es wichtig, Frauen unterschiedlicher Jahrhunderte sichtbar zu machen und ihnen einen gebührenden Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu geben.
Ihr war aufgefallen, dass es in der Stiftskirche zwar eine Wandmalerei von Heinrich II. gibt, jedoch nicht von der Stifterin Kunigunde. Diese Unausgewogenheit hat den Ausschlag gegeben, sich für eine Skulptur von Kunigunde zu engagieren, um die Kaiserin in Kaufungen sichtbar werden zu lassen.
Sie beauftragte die Bildhauerin Karin Bohrmann-Roth, ein Modell „Die Kleine Kunigunde“ für eine Skulptur herzustellen. Karin Bohrmann-Roth hatte bereits zur 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Kaufungen für die Kaufunger Stiftskirche einen wunderbaren Sternenmantel auf der Grundlage des Krönungsmantels von Kaiserin Kunigunde geschaffen. Er hing bis zur Restaurierung der Kaiserempore in der Stiftskirche.
Mit der „Kleinen Kunigunde“ brachte Regina Kirsch die damalige Dekanin Carmen Jelinek und Karin Bohrmann-Roth ins Gespräch. Jahre später konnte die Idee einer Skulptur von Kunigunde vom Förderverein mit der großartigen finanziellen Unterstützung verschiedener Spender rechtzeitig zur 1000-Jahr-Feier der Stiftskirche umgesetzt werden.
Ihr Platz vor dem Eingangsportal erinnert an ihren Schritt ins Kloster mit der Weihe der Kirche im Jahr 1025.
Die Künstlerin
Karin Bohrmann-Roth sagt, die Vorstellung, dass Kunst nur dann „authentisch“ ist, wenn sie in völliger Unabhängigkeit entsteht, ist relativ neu. Historisch betrachtet war die Kunst fast immer von Auftraggebern abhängig, seien es die Kirche, staatliche Institutionen oder der Adel. So entstanden Meisterwerke wie die Sixtinische Kapelle von Michelangelo im Auftrag von Papst Julius II.
„Kunst im Auftrag stellt für mich keinen Verlust an künstlerischer Freiheit dar, sondern vielmehr den Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema, eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Und gleichzeitig ist es ein gesetzter Rahmen, in dem ich dann wie-der die Freiheit finde, meinen ganz eigenen, von meiner langjährigen Erfahrung als Künstlerin geprägten Weg der Umsetzung zu gehen. So auch bei der überlebensgroßen Bronzefigur der Kaiserin Kunigunde. Ein Großprojekt, das ohne eine gehörige Portion Wagemut der Auftraggeber nicht möglich gewesen wäre. Sie haben es angeregt, diese Gestalt gewordene Idee in monumentaler Größe zu verwirklichen.
Dafür danke ich dem Förderverein Stiftskirche Kaufungen, insbesondere Frau Carmen Jelinek, ohne deren Mut es nicht zur Realisierung gekommen wäre. Ich wünsche mir, dass meine Arbeit, die Darstellung der überlebensgroßen Kunigunde vor der Stiftskirche in Kaufungen, ihren Teil dazu beiträgt, dass die Kaiserin und die von ihr vertretenen Werte nicht in Vergessenheit geraten.“
Karin Bohrmann-Roth