Vom Königshof zum Rittersaal

Die Stiftsbereich-Führung zählt zu den beliebten Ortsbesichtigungen im Angebot der geführten Rundgänge durch unser schönes Kaufungen. Immer wieder informieren sich Gäste aus nah und fern über die geschichtlichen Hintergründe der Stiftskirche und deren angrenzenden Gebäude.Vor einigen Tagen entführte Günter Lesemann, ausgebildeter, ehrenamtlicher Gästeführer, eine private Gruppe mit Besuchern aus Lohfelden, Baunatal, Vellmar und einigen Ortsansässigen auf eine kleine Zeitreise zurück in die Zeit von Kunigunde und Heinrich II.

In mittelalterlicher Verkleidung mit Zinnbecher, Schlüssel und großem Hut mit weißer Feder begrüßt er die Gäste zünftig und mit einladender Geste: „Willkommen, liebe Leut`von nah und von fern ...! Und macht sie sogleich schon ein bisschen neugierig auf die folgenden anderthalb Stunden, indem er ein wenig von Kaufungen, dem historisch geprägten Ort schwärmt und einen Rundgang mit einem ganz eigenen Reiz ankündigt, „der viele Geheimnisse birgt.“

Doch zuerst gibt es noch ein paar allgemeine Information über „die junge Gemeinde mit der 1000-jährigen Geschichte“. Der sachkundige Geschichtsinteressierte kennt sich gut aus, erzählt von den alten Fern- und Handelswegen, von der Furt, durch die das kaiserliche Gefolge hindurchgezogen ist und auch die Anekdote von der Namensgebung der Losse darf da nicht fehlen: „Losse heißen, wie se will!“. Natürlich gibt es schon erste wichtige Hinweise auf das Leben und Wirken von Heinrich II und Kunigunde und die Gründung des Klosters sowie den Bau der Kirche. „Die Stiftskirche war das Geschenk des Kaisers an seine geliebte Frau.“ Warum der Turm

nun im Westen gebaut wurde, was eine echte Besonderheit darstellt, und warum statt eines Portals der seitliche „Noteingang“ bis heute genutzt wird - auch das können die interessierten Zuhörer von Günther Lesemann erfahren. Und bevor die Gruppe dann das Innere der Kirche betritt, wird noch eingehend das Fachwerk der angrenzenden Häuser an der Schönen Aussicht begutachtet. Aber dann gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Geschichte der Stiftskirche - ihrer Bauzeit, den Zerstörungen durch mehrere Brände, den Ausbauten und jeweiligen Veränderungen. Der Ortsführer lässt die Geschichte von Heinrich II und Kunigunde lebendig werden und die Gäste bekommen durch allerlei Wissenswertes und durch das Erzählen lustiger Anekdoten einen lebendigen Einblick in die damalige Zeit. Damit sich der Rundgang nicht nur aufs Zuhören beschränkt, hat sich Günther Lesemann noch etwas Besonderes einfallen lassen: „Ich habe eine kleine Aufgabe für 5 Männer und 5 Frauen - Sie dürfen einmal Baumeister spielen!“ Und so entstehen an diesem Tag - im Wettstreit - aus einzelnen Bausteinen zwei Modell-Stiftskirchen - „kleine, entwicklungsfähige Meisterwerke“.

Die Zeit vergeht wie im Flug und die Gruppe begibt sich zum zweiten Höhepunkt der Führung - dem Rittersaal des Stiftes Kaufungen, wo die Besucher noch viel erfahren von Landgraf Philipp dem Großmütigen, der 1532 die Stiftung aus den Besitztümern der Klöster Kaufungen und Wetter gegründet hat. Die Geschichte und Struktur der Ritterschaft wird erklärt und mit Interesse vernehmen die Besucher, dass die Stiftung bis heute karitativen Versorgungszwecken sowie der Erhaltung der historischen Gebäude dient. Gästeführer Lesemann weist noch einmal besonders auf die vier Fenstermedaillons an der Nord- und der Südseite des Rittersaals hin und beschließt seine Ortsführung mit den Worten: „Eins kann man sagen - Kaufungen hat doch eine interessante Geschichte!“ Ursula Brilling aus Baunatal kann dem nur zustimmen: „Es ist beeindruckend, wie die Wandmalereien und die Holzdecke in der Stiftskirche erhalten sind. Und die Geschichte dieses Ortsteils wurde uns sehr anschaulich und informativ erklärt.“

Von Mai bis September werden einmal im Monat öffentliche Führungen durch die historischen Ortskerne von Ober- und Niederkaufungen angeboten, jeden Samstag um 15 Uhr eine Führung durch den Stiftsbereich.