70 Jahre und kein bisschen leise: Der Musikzug Kaufungen feierte Geburtstag mit Jubiläumsprogramm
Manfred Opper ist das dienstälteste Mitglied im Blasorchester. Vor 62 Jahren hat er zuerst getrommelt, damals noch im 1956 gegründeten Spielmannszug der Feuerwehr.
Dann hatte er aber Lust Fanfare zu spielen.
„Damals gab`s noch gross keine Noten, da wurde oft nach Gehör gespielt. Irgendwo hatten wir noch eine Posaune im Schrank, das habe ich mir dann selbst beigebracht“, erzählt Opper. Posaune spielt er bis heute. Am vorletzten Augustwochenende feierte der Musikzug Kaufungen sein 70-jähriges Bestehen.
Bürgermeister Arnim Roß, der die Glückwünsche des Gemeindevorstandes überbrachte, sagte, dass sich in siebzig Jahren auch in Kaufungen viel verändert habe. „Aber eines ist geblieben: Die Freude an der Musik. Der Musikzug Kaufungen ist mehr als eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern. Er ist ein Stück Kaufunger Vereins- und Kulturgeschichte“, so Roß.
Nach der Eröffnung durch den Kaufunger Musikzug gab es erstmal gestandene Böhmisch-Mährische Blasmusik von den Original Landolfshäuser Blasmusikanten zu hören.
Das Blasorchester Wellerode, der TSG Musikzug Eschenstruth, die Musikfreunde Espenau 1980 e.V./Musikzug TV Simmershausen, und der TMG Musikzug Grebenstein waren an dem schönen Tag in Höchstform und spielten scheinbar um die Wette. Wer meinte, Blasmusik ist einseitig, täuschte sich.
Abba, Udo Jürgens, A-ha und viel gute Pop-Musik waren zu hören. Das sahen auch Sabine und Silke aus Kaufungen so. „Man spricht damit auch mal eine jüngere Zielgruppe an“, sagte Besucherin Sabine, bei der aber Blasmusik eigentlich nur von den Egerländern zählt.
Dirigent Mario Heilmann ist seit Mai 2024 dabei und freute sich, dass das Orchester eine Eigendynamik entwickelt hat. Was sich dann aber auch mal durch Schwätzen bei den Proben auswirke, erzählt der Dirigent mit einem Schmunzeln.
Herausfordernd seien die Konzerte. Beim diesjährigen Frühjahrskonzert im Bürgerhaus habe alles wunderbar gepasst, so Heilmann, da gab´s dann schon mal zwischendurch die ein- oder andere Freudenträne. „Ich freue mich, dass der Musikzug sich in den letzten Jahren so gut entwickelt hat.“
Durch die Zusammenarbeit mit der Musikschule Söhre-Kaufunger Wald, dessen Leiter er auch ist, brauche man sich um den Nachwuchs nicht so viel Sorgen zu machen.
Manfred Opper war nach dem Jubiläumsprogramm völlig entspannt. Auch ihm gefällt die Entwicklung des Musikzuges. Er mag Böhmische Blasmusik, aber auch die moderneren Stücke. Obwohl man sich die mehr erarbeiten müsse, so Opper.
7 Dirigenten hat er erlebt, sein größtes Erlebnis war bei einer Rede von Willy Brandt in Erfurt vor 80.000 Menschen zu spielen. Auf Hessentagen war er dabei, in Schweden und der Partnerstadt Bertinoro.
Seiner Lunge geht`s prächtig, nur die Augen sind etwas schlechter geworden. Deshalb hat er statt Notenblatt einen Laptop. „Da kann ich mir alles schön vergrößern, und noch ein Vorteil: Ich muss nicht mehr lange rumblättern. Solange die Luft noch reicht, mache ich gerne weiter“, freut sich Manfred Opper.
Die vielen Besucher hatten eine schöne Zeit, und nach diesem gelungenen Jubiläumstag im Lossetalstadion wünschen wir dem Kaufunger Musikzug noch viele weitere musikalische Jahre.
Zum Hintergrund:
1956 als Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Oberkaufungen gegründet, entwickelte sich der Klangkörper über einen Fanfarenzug zum heutigen Musikzug Kaufungen, der seit 1966 besteht und heute zum SV Kaufungen 07 gehört. Prägende musikalische Leiter waren unter anderem Hans Lemke, Günter Gliem, Manfred Persch, Dragow Sandor, Karlheinz Hiebenthal und Klaus Missing. Seit 2024 steht Mario Heilmann am Dirigentenpult.
In 70 Jahren hat sich der Musikzug zu einem musikalischen Aushängeschild Kaufungens entwickelt.
Herby Frank Oppermann