Alles in Butter - Frieda Braun mitten aus dem Leben


„Wir ham‘s muckelig ... woll?“ - so begrüßte Frieda Braun, einen blauen Einkaufstrolly hinter sich herziehend, am vergangenen Samstagabend die rund 440 Zuschauer in der ausverkauften Aula der IGS Kaufungen.
Da stand sie - ganz vorn am Bühnenrand - mit dem gemusterten Rock, der fast schon wieder modern ist und der braunen Strickjacke, an die ganz kess eine rote Papierblume als Brosche geheftet war. „Die große Wende“ habe stattgefunden in ihrem Leben, berichtete die Hausfrau aus dem Sauerland, denn „Ich bin dem Erich „wech“gelaufen!“ Es war so einfach ... aber ganz verantwortungslos ging es dann doch nicht, deshalb „hab‘ ich noch mal eben vorher ne Maschine Buntes angestellt.“
Es war wohl einfach nicht mehr auszuhalten mit dem Erich, der seit drei Monaten in Rente ist und der seitdem das Preisvergleichen für den täglichen Einkauf zu seiner Hauptbeschäftigung auserkoren hat. Sämtliche Prospektanzeigen der unterschied-lichen Märkte werden ausgeschnitten, archiviert und füllen schon „drei Projekt-ordner!“ Die Folge sei „Einkäufe von Sonderangeboten in rauhen Mengen“ und das ist der Frieda neben all den anderen Macken nun endgültig zu viel geworden. „Da hab ich jetzt Asyl gefunden - in Kaufungen - und „getz‘ geht de Auswahl noch mal von vorn lo s!“ „Wobei ... bei den anderen Paaren is ja auch nich alles in Butter“, fügte sie nachdenklich hinzu und begutachtete bei der anschließenden schöpferischen Pause einzelne Menschen ganz genau! Herrlich, wie da völlig mitleidig die ein oder andere Person im Publikum getröstet wurde und in Leidensgenossinnen-Manier zur Aufmunterung „Russisch Brot“-Kekse verteilt wurden - von denen man erst viel später und eher nebenbei erfuhr, dass es sich dabei um lang abgelaufene Produkte einer Schnäppchenjagd von Erich handelte.
Frieda Braun nahm die Besucher auf ihre ganz eigene Weise für sich ein. Wie sie manchmal lang und umständlich ganz alltägliche Begebenheiten erzählte, immer im richtigen Moment die Stirn kraus zog, die Mundwinkel anspannte oder mal eben zur Unterstreichung den Fuß nach hinten abspreizte - sie hatte die Lacher stets auf ihrer Seite! Marion Linge: „ Schon allein diese Mimik ist grandios!“  Auch Brunhilde Methe hatte viel Spaß: „Sie bringt die Geschichten so herüber, wie sie im wirklichen Leben vorkommen, man kann sich manchmal tatsächlich wieder finden!“ Und Christa Grill ergänzte lachend: „Man denkt, sie verliert den Faden, aber dann kann sie so schön die Kurve kriegen - Frieda Braun ist einfach klasse!“ Und so konnten sich die Besucher auch nach der Pause köstlich amüsieren über kleine Sauerland-Feinheiten, wenn Frieda zum Beispiel davon erzählte, wie „es Ozon aus‘m All“ nach Soest kam und was sie dort mit ihren Freundinnen („unser Mia, s‘Lisbeth und das Kollekten-Aga“) erlebte. Für viel Gelächter sorgte besonders ihre Schilderung einer Sauerländer Polterhochzeit und die passenden Ratschläge, wie man sich wohl bei einer solchen zu verhalten hätte, damit man nicht „in die Hände von "Schiertekes Wilbrecht" gerät, dem ranghöchsten Junggesellen im Ort.
Frieda Braun - im wirklichen Leben Karin Berkenkopf - überzeugte die Zuschauer mit ihren schelmischen Gesten und ihrer manchmal etwas verklemmten und umständlichen, aber stets liebevollen Art.
Lang anhaltender Applaus am Schluss forderte eine Zugabe und eine besondere Wahrheit nahmen die Besucher an diesem Abend nach Hause mit: „Wir haben alle unsre Macken! Und je älter, dass de wirst ist, umso mehr fallen dir die Macken von anderen auf!“