Junge Kaufunger Talente feiern Filmpremiere im Bürgerhaus

Standing Ovations, anhaltender Jubel, stolze Eltern: Mit der Premiere des Filmprojekts „Outsiders“ schuf das Kaufunger Kindertheater im Bürgerhaus Kaufungerwald einen bewegenden Abend. Rund 150 Zuschauer feierten die 16 jungen Nachwuchsschauspielerinnen und -Schauspieler begeistert. Das Projekt hatte bereits im Sommer den Innovationspreis der Kunigundengemeinde Kaufungen in der Kategorie „Bildung und Kultur“ erhalten. Bei der Premiere vertrat Arndt-Elfried Grodzicki den Gemeindevorstand.

Im Zentrum des Ferienfilmprojekts steht ein gesellschaftlich relevantes Thema: Ausgrenzung, Freundschaft, Zusammenhalt und die Suche nach Identität jenseits von Gruppenzwang – verpackt in einen Fantasy-Film mit Elfen und Vampiren.

Der Abend begann nicht direkt mit dem Film: Eine Tanzeinlage der jungen Mitwirkenden, die den Titel mit großen Buchstaben präsentierten, stimmte das Publikum ein. Anschließend folgte der 20-minütige Film. Die Kinder und Jugendlichen aus Kaufungen entwickelten die Geschichte, übernahmen verschiedene Rollen und arbeiteten an allen Stationen der Filmproduktion. Vor und hinter der Kamera probten, spielten und inszenierten sie, während sie lernten, wie aus einer Idee ein fertiger Film entsteht.
Das Projekt entstand unter der Leitung der Kasseler Filmpädagogin Anna Katharina Frank und des Medienpädagogen Benjamin Props von „thearte“ (Kunst und Kommunikation). Susanne Süßner vom Kaufunger Kindertheater organisierte Logistik, Betreuung und Verpflegung, unterstützt von Josef Andre als Caterer.

Gedreht wurde vier Wochen lang im Mittelalterdorf Steinrode, übernachtet im Waldpädagogischen Zentrum am Steinberg. Um die Atmosphäre der Fantasy-Welt einzufangen, fanden viele Drehs nachts statt. Fackeln sorgten für Licht, da künstliche Beleuchtung vermieden wurde. Zu Beginn der Dreharbeiten verhinderte ein Feuerverbot im Kaufunger Wald den Einsatz von Fackeln. Erst nach einem ersehnten Regen konnten sie verwendet werden – ein prägendes Stilelement des Films.

Benjamin Props erklärte gegenüber der Kaufunger Woche das Thema: „Es geht um Außenseitertum. Wir beleuchten verschiedene Aspekte: Die Vampire leben wie eine Sekte, in der die Führung lügt, um die Gruppe zusammenzuhalten. Wer die Regeln bricht, wird ausgestoßen. Die Elfen wirken zunächst gleichberechtigt, doch auch hier herrscht Gruppenzwang. Wer nicht dazugehört, wird ausgegrenzt. Anders als bei den Vampiren, die von oben kontrolliert werden, entsteht der Druck bei den Elfen aus der Gruppe selbst. “
Nach dem Film zeigte ein „Making of“ humorvolle Momente, Versprecher und Pannen vom Set. Über vier Wochen arbeiteten 16 Kinder und Jugendliche – zwölf Mädchen und zwei Jungen – sowie vier Betreuer an dem ehrgeizigen Projekt. Beteiligt waren das Kaufunger Kindertheater, der Verein „Theater, Kunst und Kommunikation“, Zeitsprung e.V. und die Gemeinde Kaufungen. Gefördert wurde das Projekt durch „Movies in Motion“ vom Bundesverband Jugend und Film sowie „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Für das Kaufunger Kindertheater ist „Outsiders“ nicht das erste Projekt, das Kindern und Jugendlichen Raum für eigene Ideen bietet. Das Theater verbindet kulturelle Bildung mit praktischer Erfahrung und ermutigt junge Menschen, sich auszuprobieren. Dabei zählt nicht nur das Ergebnis auf Bühne oder Leinwand. Ebenso wichtig sind Teamarbeit, Selbstvertrauen und die Erfahrung, gemeinsam etwas zu schaffen. „Outsiders“ richtet sich nicht nur an ein junges Publikum. Die Themen – Ausgrenzung, Gruppendruck und die Suche nach dem eigenen Platz – betreffen jede Generation.

Der Film regt dazu an, das eigene Verhalten zu hinterfragen: Wen übersehen wir? Über wen urteilen wir zu schnell? Und wie können wir verhindern, dass jemand außen vor bleibt? Am Ende bleibt eine Botschaft: Die vermeintlichen Außenseiter stehen nicht allein. Gemeinsam erzählen sie ihre Geschichte – und erreichen damit das Publikum. Mit „Outsiders“ hat das Kaufunger Kindertheater nicht nur einen neuen Ferienfilm präsentiert, sondern ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und Mitgefühl gesetzt.

Hans-Gerhard Pfaff