„Kaufen – Tauschen – Selbermachen“ Eröffnung der Sonderausstellung zur Kaufunger Museumsnacht

 

„Das Gerät hatten wir auch zuhause“, stellte der ein oder andere Besucher am vergangenen Samstagabend immer wieder fest. Der Grund für die nostalgische Reise: Die Sonderausstellung „Kaufen-Tauschen-Selbermachen“ im Regionalmuseum „Alte Schule“, die im Rahmen der Kaufunger Museumsnacht eröffnet wurde. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema „Ernährung“ und zeigt Objekte über die Nahrungsmittelproduktion in Kaufunger Familien. „Mein erstes Sahnegefäß war der traditionelle Rührfix“, erzählte Doris Bischoff, Erste Beigeordnete, und erinnerte sich daran, wie viel Arbeit die tägliche Versorgung in ihrem Elternhaus machte. Damals seien Einkäufe mit der eigenen Mutter noch etwas ganz besonderes gewesen.

 

Im Vorfeld der Ausstellungsvorbereitungen wurden insgesamt 25 Interviews mit Kaufunger Bürgern geführt, die unter anderem Auskunft über die Ernährungslage um 1945 geben konnten. „Viele Bürger haben uns ihre nostalgische Haushaltsgeräte zur Verfügung gestellt“, freute sich Museumsleiterin Ulla Merle und bedankte sich für die zahlreichen Leihgaben. Bis zum 3. April 2016 ist die Ausstellung im Regionalmuseum zu sehen.

Als einziger nicht-Kasseler Standort lieferte das Kaufunger Museum auch in diesem Jahr seinen Beitrag zur Kasseler Museumsnacht und war bis in die Mitternachtsstunden frequentiert.  

 

Einblicke in die Kultur- und Sozialgeschichte der Ernährung

Helge Tismer, Kasseler Grundschulpädagoge im Ruhestand, gab mit seiner Lesung aus Schulbüchern des zweiten bis vierten Schuljahres zum Thema „Milch, Wecke, Wurst: Vom Einkaufen und Essen im Kinderalltag“ einen Eindruck von dem noch bis in die 1950er Jahre mehrheitlich recht bescheidenen Leben in Nordhessen. Es waren Geschichten vom Marktbesuch, vom Einkauf, und von der Kinderarbeit im Haus, im Garten oder auf dem Feld. „Vor allem Texte über die kleinen ‚Träume‘ vom vollen Pflaumenbaum, vom Eis im Lebensmittelladen oder das Märchen vom süßen Brei, zeigen uns, dass das Sattessen, der Nahrungsüberfluss von den meisten Kindern als großes Glück wahrgenommen wurde“, erzählte Tismer mit viel Gespür fürs Detail. Die älteren Zuhörer im historischen Schulzimmer des Museums trugen eigene Erlebnisse bei, die zu den Lesebuchgeschichten passten und die Jüngeren fragten neugierig nach. So verging die Lesestunde wie im Flug.

Das Museumskino, vorgeführt von Uwe Motz,  thematisierte in langsamer, genauer Beobachtung den Zusammenhang von kulturellen Konventionen und persönlichem Genuss.

Mit Werbesprüchen erzogen

 

Als Ladenleiter „Hausknecht“ und Verkäuferin „Sommer“ entführten Willi Schaumberg und Almut Weingart die Zuschauer des Musikkabaretts am Samstagabend  in den Ladenalltag der Filiale Erika. Sie bewältigten (und ertränkten) ihre Aufgaben mithilfe von hundert Werbeslogans, mitgesprochen und bekichert vom vollbesetzten Museumscafé. Die sprachliche Spurensuche in der Konsumvergangenheit wurde musikalisch begleitet und geleitet von einem versierten Pianisten und einer Sängerin (Sabine und Mathias Friedrich aus Helsa). Das Publikum hieß die Gastarbeiter (Stichwort: „Interkommunale Zusammenarbeit“) herzlich willkommen und wünschte sich beim letzten Wein der langen Museumsnacht (kredenzt vom Kaufunger Kindertheater) weitere mitreißende Auftritte des Kabarett-Teams.