Klimaanpassung vor Ort erleben: Klimaspaziergang zeigt Herausforderungen und Chancen in Kaufungen

Was hat ein fehlender Baum mit nächtlicher Abkühlung zu tun? Warum kann ein breiter Gehweg eine Chance für mehr Grün sein? Und wo liegen in Kaufungen besonders kühle oder durch Starkregen gefährdete Bereiche? Rund 20 Bürgerinnen und Bürger gingen diesen Fragen bei einem Klimaspaziergang am 19. August durch Kaufungen gemeinsam mit Klimaanpassungsmanager Julius Krause und Dipl. Ing. Sebastian Kupski vom Planungsbüro INKEK nach.

Zum Auftakt am Rathaus zeigte sich bereits, wie unterschiedlich die Bedingungen sein können: Während es beim Spaziergang eher trüb und trocken war, lagen die Temperaturen nur wenige Wochen zuvor teilweise bei 35 Grad. Wie sich Hitze in Kaufungen auswirkt und welche Möglichkeiten es gibt, damit umzugehen, wurde anschließend an verschiedenen Orten ganz konkret sicht- und erlebbar.

Am Berliner Platz wurde beispielsweise über Bäume und Verschattung gesprochen. „Dabei geht es nicht nur darum, wie angenehm ein Platz etwa am heißen Nachmittag ist. Besonders die nächtliche Abkühlung spielt eine wichtige Rolle zur Erholung von Menschen“, informierte Sebastian Kupski. Das Lossetal bildet eine sogenannte Kaltluftschneise, über die kühlere Luft in die bebauten Bereiche gelangen kann. Gleichzeitig wurde über Starkregen, Entsiegelung und die Pflege von Grünflächen diskutiert. Eine Bürgerin brachte die Bedeutung von Bäumen mit einem Satz auf den Punkt: „Hätten wir den mal lieber früher gepflanzt.“

Weiter ging es zur Losse hinter der Kita Zwergenburg. Hier wurde deutlich, dass Klimaanpassung nicht nur auf Berechnungen beruht, sondern auch gemessen und beobachtet werden kann. Eine Profilmessfahrt mit dem Fahrrad und Messungen von Luft- und Oberflächentemperaturen haben deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bereichen Kaufungens gezeigt. Der Bereich an der Losse wurde dabei als „stadtklimatische Oase“ beschrieben. „Solche kühleren und grünen Orte sind besonders wertvoll, wenn sie miteinander verbunden sind und so Erholung und Abkühlung auf Wegen durch die Gemeinde ermöglichen“, erklärt Sebastian Kupski.

Gleichzeitig entwickelte sich an der Losse eine lebhafte Diskussion: Wie viel Beschattung braucht ein Gewässer? Wie sollte der Abflusskorridor freigehalten werden? Und wie intensiv müssen Grünflächen tatsächlich gepflegt werden? Die Bürgerinnen und Bürger brachten dabei nicht nur Fragen, sondern auch eigene Beobachtungen und Kritik ein.

Im Bereich der Stifts-Apotheke wurde darüber gesprochen, wie bereits genutzte Flächen mehrfach genutzt werden können: etwa durch Photovoltaik über Parkplätzen oder durch die Entsiegelung eines Teils eines sehr breiten Gehwegs. Auch Rasengittersteine können dort, wo es sinnvoll ist, eine Alternative zu vollständig versiegelten Flächen sein. „Entsiegelung ist insbesondere im Hinblick auf zunehmende Starkregenereignisse aber auch bei Hitze wertvoll“, betonte Kupski, „Grüne und unversiegelte Flächen erwärmen sich weniger als versiegelte Flächen und können Regenwasser besser aufnehmen und speichern.“

Am Brauplatz rückte die Gestaltung von Plätzen in den Mittelpunkt. Bäume sorgen für Schatten, durch Mobiliar kann der Platz zudem gut genutzt werden. Gleichzeitig kann sich der Brauplatz aufgrund fehlender Durchlüftung nachts nur langsam abkühlen. Auch die Wirkung von Wasser wurde diskutiert: Während Brunnen vor allem zur Aufenthaltsqualität beitragen, können Sprühnebelanlagen durch Verdunstung eine stärkere direkte Kühlwirkung entfalten. Zum Abschluss am Rathaus wurde noch einmal deutlich, dass Hitze nicht von allen Menschen gleich wahrgenommen wird. Besonders wichtig ist deshalb der Schutz von Kindern, älteren Menschen und anderen besonders gefährdeten Gruppen.

Der Klimaspaziergang hat gezeigt: Klimaanpassung beginnt nicht erst mit großen Bauprojekten. Auch ein einzelner Baum, eine entsiegelte Fläche, eine naturnähere Grünflächenpflege oder ein anders gestalteter Parkplatz können einen Beitrag dazu leisten, Kaufungen auf die zunehmenden Herausforderungen durch Hitze und Starkregen vorzubereiten. Dabei ist jeder Bürger und jede Bürgerin auch selbst gefragt: Wo kann ich dazu beitragen Kaufungen klimaresilienter zu machen?

Der Klimaspaziergang ist Teil der laufenden Erstellung des Klimaanpassungskonzepts der Kunigundengemeinde Kaufungen. Als nächste Schritte sind ein Workshop mit Expertinnen und Experten sowie die weitere Ausarbeitung des Klimaanpassungskonzepts vorgesehen. Im kommenden Jahr soll das fertige Konzept öffentlich vorgestellt werden.

Wer seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen einbringen möchte, kann sich noch bis zum 10. September über die Online-Karte der Gemeinde beteiligen. Dort können Bürgerinnen und Bürger unter anderem markieren, wo sie sich bei Hitze wohl oder unwohl fühlen und an welchen Stellen aus ihrer Sicht Probleme durch Starkregen entstehen können.

Zur Online-Karte: https://kaufungen.inkek-klima.de/