La Signora - Carmela de Feo: Die Königin der Comedy zu Gast im Bürgerhaus.
Teilzeit-Therapeutin für gestresste Seelen durch Lachflash
Nach den Comedian Bernd Gieseking und Christian Schulte-Loh, die kürzlich im Kaufunger Bürgerhaus auftraten, setzte La Signora noch einen drauf: so schräg, so witzig, dass es schon wieder genial war. Wäre mehr Platz gewesen, hätten sich die knapp 150 Besucher vor Lachen auf dem Boden gewälzt – und das zwei Stunden lang. Man stelle sich eine sizilianische Diva vor, die wie die resolute Tante aussieht, alles bissig kommentiert und eine Stimme hat, die selbst Espresso ins Schwitzen bringt – das ist La Signora.
Ihre Spezialität? Alltagskatastrophen, neurotische Familienrituale und Männer, die „nix können, aber meinen, sie wären George Clooney auf Ratenzahlung“. Sie trägt Schwarz, nicht aus Trauer, sondern weil es zu ihrer sarkastischen Seele passt. Mit scharfem Witz und unverwechselbarem Stil erobert sie die Bühnen. Wer glaubt, sein Leben sei chaotisch, hat ihre Geschichten noch nicht gehört. Sie wirkt, als käme sie direkt aus der humorvollen Hölle der italienischen Alltagskomik. Ihr Humor? Ein Biss in zu heiße Pizza: schmerzhaft, aber unwiderstehlich. Sie ist ein Lebensgefühl mit Lautstärke, der Espresso unter den Kabarettistinnen, der Wind in der Dauerwelle der Gesellschaft. Ein Bühnenphänomen, so einzigartig, dass man sich fragt, ob sie aus einer anderen Dimension stammt – oder einfach aus Oberhausen. Carmela de Feo, so ihr bürgerlicher Name, ist ein Wirbelwind aus Dutt, Glitzer und einer Stimme, die so kraftvoll ist, dass man sie sich als Nebelhorn auf einem Containerschiff vorstellen könnte. Ihre Akkordeonkünste sind legendär. Schon mit ihrem ersten Stück „Eis am Stil“ zeigte die Absolventin der Essener Folkwang Hochschule, warum sie 2022 den Deutschen Kleinkunstpreis gewann. 2005 schuf sie die Rolle der „La Signora“ – eine singende, akkordeonspielende Italienerin, die sich als „Italo-Ruhrpott-Weib“ outete. Heute ist sie die unangefochtene First Lady des dramatisch-komischen Alltags. Für ihre legendären Sprüche erntete sie in Kaufungen minutenlangen Applaus: „Ich bin der Silberfisch, der im Dunkeln golden glänzt. Ich bin die Lottozahlen, die nie gezogen werden. Ich bin dein vergilbtes Glanzbild erotischer Fantasien. Liebe ist, wenn sie Hunger kriegt, weil er zum Anbeißen aussieht.“ Dazu ihre originellen Song-Adaptionen: Aus „Smooth Operator“ wurde „Schmus mit Opa Peter“, aus Zuccheros „Senza Madonna“ die amüsante Variante „Frag mal die Omma“.
Carmela de Feo bewies im Bürgerhaus, dass Selbstironie die beste Anti-Falten-Creme ist – und dass man mit Temperament und schwarzem Humor jedes Problem so lange anbrüllen kann, bis es freiwillig verschwindet. Bis zum Schluss ihres energiegeladenen Abendprogramms hatte das resolute Multitalent nicht nur ihr Akkordeon, sondern auch ihr begeistertes Publikum meisterhaft im Griff. Schade nur, dass Kulturreferentin Helga Noll-Hartwig in den Ruhestand geht. Mit ihrer großartigen Auswahl an Comedians wird sie den Kaufungern noch lange in Erinnerung bleiben. (hgp)