Lioba Albus »Ende offen...Schluß machen « - ein Chamäleon auf der Bühne
Samstagabend fanden sich im Bürgerhaus Kaufungen Menschen zusammen, die gern lachen und in den Spiegel der Gesellschaft blicken wollten. So erzählte die Kabarettistin Lioba Albus äußerst unterhaltsam wie sie zur Perücke ihrer Figur „Mia Mittelkötter“ kam und schon lachte und schmunzelte sich das Publikum warm: „Untenrum ist im Grunde egal, aber der Kopf muss stehen“, sagte ihre Schwiegermutter als sie ihr die Zweitfrisur überreichte.
Mit wenigen dramaturgisch-stylistischen Mitteln verwandelte sich Albus in kurzer Zeit äußerlich in eine ihrer Kunstfiguren und nahm deren Identität, Mimik, Gestik, Dialekt und vor allem deren Emotionen und Denken perfekt an.
So plauderte Mia Mittelkötter über allerlei Privates, ihren Mann Gustav, der gerade frisch im Ruhestand, ihr entweder zu lethargisch oder zu fehlaktiv war, bis sie ihn schließlich in der Männeraufbewahrung anmeldete, um ihn mit einem „Bütterken“ und einer „Pulle Bier“ jeden Morgen um 7 Uhr abzugeben. Über Sturm und Windstille im ehelichen Schlafzimmer bei dem die Vergesslichkeit einen Schatten warf, pointierte Albus sehr genau und das andere Frauen ihren Mann im „Johannistriebalter“ einfach in die Politik abschieben wie sie am Beispiel deutscher und amerikanischer Regierungsvorstände, letzterem vor allem visuell, veranschaulichte.
Auch als Mann, zu dem sich Albus mit erstaunlich geringem Aufwand kostümierte, überzeugte sie authentisch. Ein Mann, der seinem besten Freund eine Laudatio zum seinem 60. Geburtstag machte, die allerdings mit zunehmendem Wodkakonsum zu einer schonungslosen Offenbarung der eigenen Unwertschätzung und Verurteilung des Jubilaten machte.
Als Witta, die Grillstudioinhaberin, sinnierte sie über das Älterwerden, dem Nachhelfen durch SchönheitsOPs „bei manchen ist die Pelle so straff gezogen, das sie zum Lachen das Knie heben müssen“ und das sie heutzutage statt Pommes-Schranke mehr Pommes-Therapie servierte. Ebenso Thema war der Landarztmangel, der neuerdings durch einen VHS-Kurs „EigenOPs“ mit Schnittmuster, welches man/frau auf keinen Fall falsch herum auflegen sollte, vervollständigt wird.
Brilliant hatte Albus zwischenmenschliche Beziehungen und Denkanstöße auf die Bühne gebracht, wobei manch deftiger Ausdruck im Dialekt gemildert wurde.
(noh)