Vielfalt und Muße:Die Kasseler Museumsnacht im Regionalmuseum Kaufungen

 

Die Kaufunger Beteiligung an der Kasseler Museumsnacht hat nun schon Tradition. Auch im Regionalmuseum ist es an diesem Tag ein dauerndes Kommen und Gehen, aber man flaniert gelassen… Stammkunden und Erstbesucher kommen zwanglos miteinander ins Gespräch. Es ist Gelegenheit, die Ausstellungsführungen miteinander zu diskutieren und hinterher das Gesehene und Erfahrene im Museumscafé zu besprechen. Und manch einer lässt sich ermuntern, zur nächsten Ausstellung Informationen oder Gegenstände beizutragen.

 

Lesung und Ausstellungsführung zum Militarismus

Wie jedes Jahr, war auch diesmal das Programm thematisch auf die laufenden Sonderausstellungen ausgerichtet. Neben der Führung durch das Erinnerungsprojekt „Krieg im Dorfleben  – Dorfleben im Krieg“ gab es eine kritische Lesung „Die Jugend gewinnen…“ aus Schulbüchern der 1930er/40er Jahre für die sechs bis achtjährigen Kinder. Lehrer Helge Tismer hat für seine kenntnisreichen (und kurzweiligen) Einblicke in die Schulerziehung vergangener Generationen schon eine treue Zuhörerschaft, die jedes Jahr zur Museumsnacht kommt. Diesmal brachten einige der damaligen Kinder ihre Erinnerungen ein – und waren erschrocken, wie sehr die NS-Ideologie ihre Schulzeit durchdrungen hatte. Im Museumskino ging es anschließend heiter/tiefgründig um Alltagsbewältigung im Kalten Krieg.

Ausstellung zu Niederkaufunger Kriegsdenkmälern

Mit Gott für’s Vaterland – Kriegsdenkmäler in Niederkaufungen“ hieß die am Nachmittag von Doris Bischof kenntnisreich eröffnete Kabinettausstellung, ein Vortrag des Museums schloss sich an. Da alle acht Kriegserinnerungsmale des Dorfes Niederkaufungen seit 1814 erhalten sind, konnten sich die Besucher informieren, wie unterschiedlich die Dorfgesellschaft mit der Kriegsbeteiligung ihrer  Wehrpflichtigen in den vergangenen 200 Jahren umgegangen ist. Die Präsentation fand auch am Sonntag viele Interessierte, musste zunächst aber abgebaut werden. Ab Anfang Oktober ist die kleine Ausstellung im Rathausfoyer wieder zu sehen.

Faszinierend: die alte Stiftskirchenuhr

 

Auf den ersten Blick ‚rostiges Eisen‘ – doch dann ließen sich die Museumsnacht- (und  Denkmaltag-)Besucher von der Entdeckerfreude des Museumsteams anstecken: Ulla Merle und Peter Groß entführten in die fremde Welt des vierhundert Jahre alten ‚Automaten‘, in die Details des geschmiedeten Räderwerks, Umbauten, Handwerkermarken und in den Umgang mit Zeit bei unseren Altvorderen. Viele wünschten sich, dass die Uhr irgendwann einmal dauerhaft ausgestellt wird.

Höhepunkt der Nacht: Die Mitternachtsspitzen

Verwöhnt von den Schmeckewöhlerchen des Kaufunger Kindertheaters waren wir diesmal Zuhörer (und Zuschauer) einer Reihe von Rundfunkberichten (der Reporter Almut Weingart und Willi Schaumberg alias…)  zum Besuch des Kaiserpaars und anderer Hochwohlgeborener in Kaufungen, hörten Adelsexperten zur landgräflichen Nebenfrau, verbrachten die Jahrtausendwende mit im Studio oder lauschten Regionalnachrichten von 2050. Live-Schaltung hieß auch, dass die Studiogäste für die Zwischenmusiken selbst sorgen mussten, was unter Leitung des Rundfunkorchesterchefs „Maestro Heinz“ (Ahrendts) recht wohlklingend gelang. (Das Kabarett soll wiederholt werden.)

 

Viele ehrenamtliche Helfer unterstützten das Museumsnacht-Programm; Kaufunger Museumsgänger nahmen sich der ‚Fremden‘ freundlich an. Die meisten Besucher aus Kassel, Helsa oder Hessisch Lichtenau blieben länger als nur für einen Abstecher, weil es viel zu entdecken gab und weil es so ‚persönlich‘ war. Andere wollen „in Ruhe noch einmal wiederkommen“.