„Blauer Sonntag“ in Kaufungen: Wanderung zu Graureiher, Besenheide und Co.
Das Regionalmuseum Kaufungen, Standort Rossgang, lud auch zum diesjährigen „Blauen Sonntag“ des Netzwerks Industriekultur Nordhessen wieder zu einer Themenwanderung durch die Gemeindeflur. Diesmal führte Manfred Henkel vom NABU Kaufungen/Lohfelden zu „Flora und Fauna der Industrie-Folgelandschaft zwischen Nieder- und Oberkaufungen“.
Während des zweistündigen Weges zwischen Tramhaltestelle Gesamtschule und Bergwerkmuseum Rossgang wurde an vielen Stellen haltgemacht, um zu zeigen, wie sehr die scheinbare „Natur“-Landschaft rund um den Steinertsee eine von Menschen hergestellte – und mit großem Aufwand in ihrer Mannigfaltigkeit gepflegte – ‚Kultur‘-Landschaft ist.
Es gab viel zu entdecken: den Graureiher im See, das Revier der Wasseramsel und das Amphibienschutzgebiet, das für Umweltpädagogik mit Grundschulklassen aufbereitete alte Fischanzuchtbecken und die vom NABU als Vermittlungsort genutzte ehemalige Waschkaue der Zeche, die zur Streuobstwiese umgestalteten Schrebergärten oder die Pferdeweide und die Wohnsiedlung über dem verfüllten Tiefbau, die Vegetation der Bahndämme, das Wäldchen neben dem Steinertsee und das arbeitsintensiv als Bergbaufolgelandschaft erhaltene Besenheidegelände, die Wiesen und das Röhrichtbiotop über der einstigen Müllkippe sowie die Anlage von Kiesbett und Uferabbruchkanten an der Losse auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks, die als Hochwasserschutz dienen und neue Heimat für Eisvögel, Uferschwalben und Amphibien werden sollen.
Wie abwechslungsreich das Engagement der NABU-Mitglieder vor Ort ist, war am Ende Allen deutlich und auch, wie viele Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen hier projektbezogen zusammenarbeiten, um das Umfeld Kaufungens so attraktiv zu gestalten.
Die Gespräche zum Thema waren intensiv. Dora Peter ergänzte Manfred Henkels Informationen mit präzisen Erinnerungen an das Oberkaufunger Bergbaugelände der 1960er, 1970er Jahre, das sie durch ihren Mann, den Betriebsleiter der Zeche, im Detail kennengelernt hatte. Dadurch wurde der ungeheure Wandel der Landschaft in den letzten vierzig Jahren umso anschaulicher.
Dass der Rossgang selbst mit der Geschichte des Kaufunger NABU eng verbunden ist, ergab sich am Schluss: Berta Müller hatte in den frühen 1930er Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Pferdegöpels eine Station für verletzte Greifvögel eingerichtet.