Wird Kaufungen bald zur »Kunigundengemeinde«?

Wird Kaufungen bald als „Kunigundengemeinde“ bekannt sein? Die Lossetalgemeinde hat beim Hessischen Innenminister die Berechtigung zum Führen eines Namenszusatzes beantragt, der den Ort künftig als „Kunigundengemeinde“ bekannt machen würde. Nun wartet sie gespannt auf die Entscheidung. „Der Namenszusatz würde Kaufungen im Jahr des 1000. Geburtstags der Stiftskirche eine besondere Strahlkraft verleihen und die enge historische Verbindung zur Kaiserin Kunigunde noch stärker in den Fokus rücken“, betont Bürgermeister Arnim Roß.

Die Initiative für einen Antrag auf Namenszusatz entstand bereits vor eineinhalb Jahren im Gemeindevorstand. Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner, Historikerin für mittelalterliche Geschichte und Autorin mehrerer Bücher zu Kunigunde, hat Kaufungen bei diesem Vorhaben inhaltlich beraten und unterstützt. Die acht Seiten starke Bewerbung, die den historischen Hintergrund und die Bedeutung der Kaiserin für Kaufungen detailliert darlegt, wurde auch vom Hessischen Staatsarchiv Marburg positiv bewertet. Das Archiv empfahl die Namensgebung in einem offiziellen Gutachten und würdigte damit die nachhaltige Erinnerungskultur an die Kaiserin, die Kaufungen maßgeblich prägte.

Auch die Mitglieder der Gemeindevertretung stimmten nun für den Antrag, der die besondere historische Bedeutung der Kaiserin für Kaufungen hervorheben soll.

Sollte die Entscheidung des Hessischen Innenministers positiv ausfallen, wäre Kaufungen die erste Kommune in Hessen, die mit einem von einer Frau abgeleiteten Namenszusatz auf ihre Geschichte verweist. Die Gemeinde würde damit auch ein Zeichen für die Gleichberechtigung der Geschlechter setzen.

Kunigunde und ihre Bedeutung für Kaufungen

Die Geschichte von Kaufungen und der Kaiserin Kunigunde von Lützelburg (980 - 1033) sind untrennbar miteinander verbunden. Kunigunde setzte sich zusammen mit ihrem Ehemann, Heinrich II., dafür ein, den Kasseler Königshof nach Kaufungen zu verlegen und dort ein Kloster zu gründen. Besonders symbolträchtig ist die Stiftskirche, die auf ihre Initiative hin erbaut wurde. „Die Verbindung zwischen Kunigunde und Kaufungen ist sowohl in der Ortsgeschichte als auch in der Erinnerungskultur fest verankert“, macht Bürgermeister Roß deutlich.

Kunigunde lebte nach ihrer Zeit als Herrscherin acht Jahre im Kloster Kaufungen als einfache Nonne und prägte die Region durch ihre Spiritualität und ihre politische Bedeutung. Ihr Wirken ist auch heute noch spürbar und prägt viele kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten in Kaufungen. Insbesondere die kulturelle Bedeutung Kaufungens mit der Stiftskirche und dem Ritterschaftlichen Stift als besonderem Veranstaltungsort und die Stiftsweihnacht wären ohne das Wirken Kunigundes in Kaufungen nicht denkbar. Auch im täglichen Leben ist Kunigunde allgegenwärtig: Straßen, Läden und sogar eine neue Bar tragen ihren Namen.

Ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung

Die Verleihung des Namenszusatzes „Kunigundengemeinde“ würde nicht nur die historische Bedeutung des Ortes unterstreichen, sondern auch als starkes Signal für Gleichberechtigung und Empowerment von Frauen in der Gesellschaft dienen. Kunigunde war zu ihrer Zeit nicht nur die Frau an der Seite des Kaisers, sondern eine eigenständige und mächtige Herrscherin, die politische und soziale Verantwortung übernahm. In einer Zeit, in der Frauen oft übersehen wurden, verkörperte sie Selbstständigkeit, Weisheit und Diplomatie – Werte, die auch heute von großer Bedeutung sind.

Ein solcher Namenszusatz wäre in Hessen einzigartig: Von den 421 hessischen Städten und Gemeinden trägt keine eine Zusatzbezeichnung, die einer Frau gewidmet ist. Bürgermeister Roß: „Kaufungen könnte hier als Vorreiterin für eine neue Form der Erinnerungskultur fungieren, die historische Frauenfiguren ins Rampenlicht rückt und ihnen Anerkennung verschafft.“

Ausblick

Ob sich Kaufungen bald „Kunigundengemeinde“ nennen darf, bleibt abzuwarten.
Die Gemeinde blickt nun gespannt auf die Entscheidung des Hessischen Innenministers.