Kaufunger Konzerte: Die Regensburger Domspatzen mit Jazz und Soul in der Stiftskirche
Ein Geniestreich des Kultursommer-Nordhessen: Der älteste Chor der Welt trifft auf die 1000 Jahre alte Stiftskirche – und verschmilzt mit ihr zu einem musikalischen Einklang. Am Sonntagnachmittag bebten die ehrwürdigen Mauern nicht vor Lautstärke, sondern vor kreativer Energie. Die Regensburger Domspatzen, gegründet im Jahr 1050, präsentierten mit „Domspatzen, Jazz & Soul“ ein Programm, das musikalische Welten zu einem harmonischen Ganzen vereinte. Unter der Leitung von Kathrin Giehl traf die jahrhundertealte Chormusik auf die modernen Klänge des Augsburger Bastian Walcher Quartetts und die ausdrucksstarke Sopranistin Cathrin Lange.
Doch das Konzert war mehr als ein Crossover. Es wurde zur fesselnden Symbiose, in der Tradition und Improvisation eine neue Einheit bildeten. Die Stiftskirche, mit ihrer sakralen Atmosphäre und beeindruckenden Akustik, bot den idealen Rahmen für dieses kühne Experiment. Kathrin Giehl führte mit Präzision und Inspiration durch ein Konzert, das Genregrenzen spielerisch sprengte. Die Spannung im vollbesetzten Kirchenschiff mit über 400 Zuhörern war greifbar – und wurde in jeder Hinsicht übertroffen.
Was auf dem Papier wie ein Kontrast wirkte, entpuppte sich live als organisches Zwiegespräch. Das Quartett untermalte die polyphonen Chorsätze nicht nur, sondern schuf einen Klangteppich, auf dem die Stimmen der Domspatzen neu erstrahlten. Mal sanft swingend, mal tief im Soul verwurzelt, verliehen die Musiker der traditionellen Chormusik eine pulsierende Dynamik.
Schon bei der Begrüßung durch Intendantin Insa Pijanka, die seit März das Festival leitet, war ihr Stolz spürbar. Sie lobte die Stiftskirche als eine der schönsten Spielstätten des Kultursommers. Dankesworte richtete sie an Bürgermeister Arnim Roß, die Evangelische Kirche Oberkaufungen, Pfarrerin Dr. Christina Bickel und Bezirkskantor Martin Baumann für ihre Unterstützung. Auch die Veranstaltungstechnik von Loud-GmbH aus Breuna wurde gewürdigt, die mit transparentem Klang für ein perfektes Hörerlebnis sorgte.
Die Domspatzen, der „Dino“ unter den Knabenchören, blicken auf über tausend Jahre Tradition zurück. Generationen von Chorleitern und Sängern haben dieses Erbe gepflegt und weiterentwickelt. Heute bauen sie mit ihrer Musik Brücken zwischen Menschen und Kulturen. Seit 2022 steht ihr einzigartiges Bildungsangebot auch Mädchen offen. Ihr Repertoire reicht vom Gregorianischen Choral über die Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Werken.
Mit Bastian Walcher am Klavier, Joachim Holzhauer am Schlagzeug, Jörg Hartl an der Trompete, Giuseppe Guzzo am Bass und Cathrin Lange als Sopranistin begann der Abend mit „Praise the Lord“. Die präzisen Harmoniegesänge des Chores verschmolzen mit den emotionalen Nuancen des Soul. Cathrin Lange öffnete mit ihrer kraftvollen, zugleich verletzlichen Stimme neue emotionale Ebenen. Besonders beeindruckte der 60-stimmige Chorklang bei „Salvator Mundi“ – klar, warm und dynamisch. „Als wir diese Kirche betraten, wussten wir, dass dies ein besonderer Abend wird“, sagte Bastian Walcher. Kaufungen war die letzte Station der Sommertournee.
Ein weiteres Highlight bot „My Favorite Things“ von Richard Rodgers. Die 1982 in Aachen geborene Sopranisten verband mit ihrer facettenreichen und glasklaren Stimme die sakrale Erhabenheit des Chores mit der Leidenschaft des Jazz. Ihr Duett mit Jörg Hartls Trompete war schlicht genial. Der 150. Psalm, arrangiert von David von Kampen, pulsierte mit treibendem Schlagzeug, ausdrucksstarken Bassläufen und dem Halleluja des Chores.
Mit „Ubi caritas et amor“ zeigte Cathrin Lange ihre ganze stimmliche Bandbreite, begleitet von einem minutenlangen Trompetensolo – ein weiterer Höhepunkt. Zum Abschluss sangen neun Chormitglieder vor der Bühne „Battle of Jericho“. Die Zugabe, „Spirit of God“, wurde durch Cello und Bratschen aus den eigenen Reihen bereichert.
Als der letzte Ton verklang, herrschte einen Moment lang atemlose Stille, bevor tosender Applaus die Kirche erfüllte. Die Kaufunger Stiftskirche erlebte an diesem Abend einen musikalischen Brückenschlag, der Gegensätze in Harmonie verwandelte. Ein unvergessliches Konzert, das den Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Dieses besondere Konzert wurde von der Kasseler Sparkasse mit 10.000 Euro unterstützt.
(hgp)