Ospitalità sempre! - 100 Jahre Begegnungen und genussvolles Feiern in Bertinoro
Es ist schon lange eine lieb gewordene Tradition: die Busfahrt mit vielen gut gelaunten Kaufungern und Kaufungerinnen am ersten Septemberwochenende Richtung Bertinoro. Auf das mittlerweile 100. Fest der Gastlichkeit unserer Partnergemeinde in der Region Emilia-Romagna in Italien freuten sich diesmal zirka 75 Personen vom Partnerschaftskomitee, aus Vereinen und Musikschulen, von der Feuerwehr und interessierte Bürger*innen der Kunigundengemeinde.
Wie in jedem Jahr trafen sich alle Teilnehmenden im Ortskern von Bertinoro beim Nachbarschaftshilfeverein Auser und wieder einmal hatten dort zahlreiche fleißige Hände ein köstliches Büffet vorbereitet. Es durfte sich nach langer Fahrt also erst einmal ausgiebig gestärkt werden, bevor traditionell auf dem Balkon des Gebäudes die offizielle Begrüßung durch die Gastgeber der Partnergemeinde folgte. Gabriele Russo, der neue Präsident des Vereins Auser Forli, war selbst zum ersten Mal bei diesem Anlass anwesend, er berichtete von den sozialen Aktivitäten des Vereins und lobte die hervorragenden Kochkünste der Mitglieder.
Auch Bertinoros Bürgermeister Filippo Scogli bedankte sich bei dem Freiwilligenteam, hieß alle Gäste herzlich willkommen und hob die wichtigen Werte der Gastfreundschaft als verbindendes Element hervor. Seine Amtsvorgängerin Gessica Allegni freute sich, auch trotz ihrer neuen beruflichen Aufgabe als Regionalrätin und Kulturbeauftragte der Regionalregierung Emilia Romagna Zeit zu finden, die Freunde aus Kaufungen begrüßen zu können. Das Ziel die Freundschaften zwischen den Delegationen zu stärken, trage auch dazu bei, die Demokratien zu festigen. Ihr besonderer Dank galt Bürgermeister Arnim Roß für die gute institutionelle Zusammenarbeit, an die sich mittlerweile auch persönlich eine echte Freundschaft angeschlossen habe. Der Verwaltungschef der Kunigundengemeinde dankte für den freundlichen Empfang, drückte die große Freude der deutschen Delegation aus, am Jubiläumsfest teilzunehmen und wies auf die langjährige gewachsene Partnerschaft der beiden Gemeinden mit ihren vielfältigen Kontakten hin.
Das Festwochenende hielt an allen Tagen erneut eine bunte Mischung aus verschiedenen kulturellen und kulinarischen Beiträgen bereit: die Kunstausstellung „Castelli di Romagna“ im Rathaussaal, ein Konzert des Komponisten und Sängers Niccolò Fabi im Garten der Festung, verschiedene Live-Musik-Bands auf der Bühne der Piazza mit fantastischem Ausblick auf die Landschaft der Emilia Romagna und als einen Höhepunkt die feierliche Einweihung des zweiten Wandgemäldes von Marcello di Camillo im Rahmen des Kunstprojektes der beiden Partnergemeinden Bertinoro und Kaufungen.
„Cena della Vendemmia“ war das Motto der Donnerstagnacht, die ganz dem gemeinsamen Schlemmen eines vorbereiteten Menüs an langen Tischen auf der Piazza della Libertà gewidmet war, untermalt von schmissiger Live-Musik der „Total Peppers“. Und auch an allen anderen Abenden verwandelte sich die gesamte Altstadt Bertinoros in eine kulinarische Meile. Dabei sorgten die Lossesterne an ihrem Verkaufsstand zum zweiten Mal in Folge für leckeren Bratwurstduft über der Altstadt und insbesondere die Italiener freuten sich an einem frisch gezapften deutschen Bier zum Wurstschmaus. Wie immer gab es von den italienischen Freunden die Piadina Romagnolo, das frisch gebackene Fladenbrot mit Prosciutto, Salami und Käse sowie hausgemachte Pasta und die Kollegen vom Fischerverein Cervia hatten Spezialitäten von der Meeresküste in Form von Fischrisotto, Fritto Misto und gegrillten Sardinen im Angebot. Da Bertinoro bekannt für seine Weine ist, begleiteten der rote Sangiovese und der weiße Albana di Romagna so manches leckere Essen.
Ein weiterer Höhepunkt war natürlich der Auftritt von „Rock E 45“ der Musikschulen der beiden Partnergemeinden, koordiniert von den Lehrern Uli Grosse, Ivan Bratti und Massimiliano Biondi. Mitreißende Songs bestachen durch ihre instrumentarische und gesangliche Qualität und zauberten unter Sternenhimmel eine tolle Atmosphäre vor dem Palazzo communale. Es war bewegend mitzuerleben, wie dieses internationale Musikprojekt, getragen von der Unterstützung der beiden Kommunen, seit so vielen Jahren mit Teamgeist und Talent stets neu Brücken zwischen Jugendlichen und Erwachsenen beider Länder baut. Ein großes Dankeschön galt den musikalischen Leitern, den beteiligten Familien und allen Helfenden im Hintergrund.
Der gemeinsame Ausflug der deutschen Gruppe führte in diesem Jahr bei hohen Temperaturen in den Zwergstaat San Marino, eine der ältesten Republiken der Welt, die für die von Mauern umgebene mittelalterliche Altstadt und ihre schmalen kopfsteingepflasterten Straßen bekannt ist.
Die Zeit verging wie im Flug und viel zu schnell war es Sonntag und damit Zeit für den offiziellen Festakt mit historischem Umzug, der Zeremonie für den neuen Winzer - diesmal zwei Winzerinnen - und dem feierlichen Ritus sowie der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste und aller Anwesenden auf der Piazza della Libertà. In seinem Redebeitrag unterstrich Bürgermeister Arnim Roß die wichtige Förderung der europäischen Integration und der Völkerverständigung: „Wenn wir nach Bertinoro kommen, kommen wir nicht in eine fremde Stadt. Wir kommen zu Freunden. Und das ist vielleicht das Schönste, was aus einer Städtepartnerschaft entstehen kann. Europa beginnt dort, wo Menschen herzlich und offen aufeinander zugehen. Wo sie sich kennenlernen, miteinander lachen und füreinander da sind. Gerade in einer Zeit, in der Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit mehr sind, ist diese persönliche Verbindung zwischen unseren Städten besonders wichtig. Wir müssen die Idee eines friedlichen und geeinten Europas bewahren. Wir sind Europa!“ An der Colonna delle Anella, der Säule mit den zwölf Metallringen, wurden anschließend gemäß der Tradition aus dem 13. Jahrhundert die Umschläge mit den Namen der lokalen Gastgeber gezogen, die ihre zugewiesenen Gäste jeweils zu einem ausgiebigen Mittagsmahl einluden.
Den glanzvollen Schlusspunkt des Festes bildete nach dem Konzert von Matilde und ihrer Band ein großes Feuerwerksspektakel, das vor der Kulisse der nächtlichen Ebene mit ihren zahlreichen Lichtern ein beeindruckendes Panorama bot.
Das historische Ritual am ersten Septemberwochenende und die allgegenwärtige Gastfreundschaft Bertinoros zeigten auch beim 100. Festa dell`Ospitalità, dass Begegnung und Freundschaft auf dem „Balkon der Romagna“ eines der traditionsreichsten und genussvollsten Feste Norditaliens und immer wieder eine Reise aus Nordhessen wert ist.
Iris Sager