Abends im Kaufunger Rathaus – Lange Nacht der Demokratie lud zu einem gelungenen Format zur späten Stunde ein

Freitagabend im Rathaus: Normalerweise ist in der Verwaltung nicht mehr unbedingt viel los um diese Uhrzeit. An diesem Freitag war alles anders: Für alle Interessierten öffnete das Rathaus der Kunigundengemeinde seine Türen zur „Langen Nacht der Demokratie“. Organisiert wurde der Abend von Katharina Reinhold von der Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“. Die rund 400 Besucherinnen und Besucher erwartete ein Mix aus Mitmach-Angeboten für alle Altersklassen, Kreativ-Angeboten, Live-Musik, Kleinkunst und Rathausführungen. Für das gastronomische Angebot war der Verein „Zeitsprung e.V“. vor Ort und versorgte die Besucherinnen und Besucher mit leckerem Essen und kühlen Getränken.

Bürgermeister Arnim Roß begrüßte die Gäste auf dem Vorplatz des Rathauses. „Dass wir heute, einen Abend vor dem Tag der Deutschen Einheit, diese Veranstaltung durchführen, ist kein Zufall. Die Demokratie ist die beste Staatsform, die wir haben, und mit dem heutigen Abend wollen wir dafür ein Zeichen setzen“, so Roß. Angesichts des Umstands, dass rechtsextreme Kräfte in Deutschland und europaweit weiter erstarken, appellierte er an die Anwesenden, für Freiheit und Demokratie einzustehen.

Anschließend übergab er das Wort an Katharina Reinhold von der Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“, die ebenfalls alle Gäste herzlich begrüßte. „Mit der Langen Nacht der Demokratie möchten wir unter anderem feiern, dass wir in dieser Regierungsform leben“, so Reinhold. Zugleich verwies sie darauf, dass gemeinsam mit dem Gemeindevorstand und der Gemeindevertretung ein buntes Programm für alle Generationen entstanden sei.

Der Auftritt von zwei Gruppen aus „Anjas Tanzschule“ eröffnete das Programm und begeisterte das Publikum. Anschließend begannen die Mitmach-Angebote im Foyer des Rathauses und im Jugendzentrum JottZett: von Buttons selbst kreieren bis zu Demokratie-Armbänder mit dem Spiel-und Beteiligungsmobil Rote Rübe basteln war alles dabei. Wer mochte, konnte auch durch die geöffnete Gemeinde- und Schulbücherei stöbern oder sich in der Disco im Untergeschoss im JottZett vergnügen.

Auf dem Vorplatz und im Foyer ging das Bühnenprogramm weiter: Der Zauberer Fabian Regenbogen faszinierte die kleinen Zuschauenden mit verblüffenden Tricks und sorgte für viele Lacher bei Groß und Klein.
Im kleinen Saal spielte sich währenddessen die Band Brothers Unchained warm, die Italowestern, Jazz und Swing in Punkrock-Stücklänge zum Besten gaben.

Wie funktioniert eigentlich Kommunalpolitik? Diese Frage versuchten Katharina Reinhold, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl Hellmich und Bürgermeister Arnim Roß bei einem Gespräch zu veranschaulichen.
Im großen Saal war die typische Bestuhlung einer Sitzung der Gemeindevertretung nachempfunden, tatsächlich blieben die Tische und Stühle vom Vorabend einfach stehen, an dem eine Sitzung stattfand. „Kommen Sie gerne rein und setzen sich an die Tische der Fraktionen“, forderte Karl Hellmich die Besucherinnen und Besucher auf. Auf die Frage, wie denn die gestrige Gemeindevertretersitzung war, sagte er: „Spannend. Der Bürgermeister hat den Haushaltsentwurf für das kommende Jahr vorgestellt.“

Zwischen Rock’n’Roll und Grundgesetz

Im kleinen Saal fand anschließend eine Art Speeddating mit KommunalpolitikerInnen statt – ganz ohne Romantik, aber mit dem Ziel, niedrigschwellig ins Gespräch zu kommen: über die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik zu engagieren zum Beispiel.

Im Anschluss dazu begannen die Band Dark Vatter und Ninne Soleil aus Kassel mit ihrem Programm: Rock’n’Roll- und Country-Stücke in nordhessischer Mundart.
Wer nicht ausgelassen dazu tanzte, schloss sich der Rathausführung an, die Bürgermeister Arnim Roß anbot. Circa 40 Personen folgten dem Verwaltungschef durch das Rathaus. Im Bürgermeisterbüro im ersten Stock durften die Teilnehmenden sogar auf der berühmten roten Couch sitzen. Roß klärte nicht nur über deren Herkunft auf, sondern hatte auch einige interessante historische Fakten über das Rathaus und Kunst im Rathaus parat.

Einen weiteren spannenden Programmpunkt steuerte Dennis Möller bei, Leiter des Fachbereichs 1 Hauptverwaltung/ Zentrale Dienste. Er stellte in der Gemeinde- und Schulbücherei rund 30 Personen den „Survival Guide Grundgesetz“ vor, unter dem Motto „Wie uns unsere Verfassung täglich schützt“. In dem rund 50-minütigen Workshop erwartete die Teilnehmenden ein anschaulicher und interaktiver Vortrag zu unserem Grundgesetz und wie es die Basis unserer Demokratie bildet.

Als letzten inhaltlichen Programmpunkt des Abends führten Stefan Müller (Leitung Fachbereich 3 Tiefbau, Stadt- und Landschaftsplanung sowie Infrastruktur) und Marcel Gernhardt (Gemeinschaftskasse Kaufunger Wald-Söhre) eine Gruppe durch das Rathaus und gaben gleichermaßen interessante und unterhaltsame Einblicke in ihren Arbeitsalltag und die kommunale Verwaltung im Gesamten.

Im Untergeschoss des Rathauses im Jugendzentrum JottZett klang die Lange Nacht der Demokratie bei der Disco für alle Generationen aus.
Zwischen Rock’n’Roll-Konzert und Gemeindevertretung: Die Lange Nacht der Demokratie war ein voller Erfolg. Das Format verband Kreativität, Kultur und Kommunalpolitik auf interessante Weise miteinander und vermittelte barrierearm, welche Möglichkeiten Bürgerinnen und Bürger haben, sich vor Ort politisch miteinzubringen.

Hintergrund: Lange Nacht der Demokratie

Das Format „Lange Nacht der Demokratie“ wurde 2012 in Augsburg zum ersten Mal umgesetzt, initiiert von Dr. Christian Boeser. Seit 2018 ist die Lange Nacht unter dem Dach der Stiftung Wertebündnis Bayern als bayernweites Projekt etabliert. Auch bundesweit etabliert sich die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindende Veranstaltung immer mehr. (Quelle: Bayerischer Volkshochschulverband e.V.)
Das Ziel der teilnehmenden lokalen Bündnisse in Kommunen und Landkreisen ist Demokratie vor Ort erlebbar zu machen. In Hessen wurde das Format in diesem Jahr erstmalig in Hanau und Kaufungen umgesetzt.