Haushaltsentwurf 2027: Kaufungen bleibt handlungsfähig – trotz enger werdender Spielräume
Kindertagesstätten und Betreuung, Feuerwehr und Katastrophenschutz, Straßen und öffentliche Gebäude, Klimaschutz und Digitalisierung, Kultur, Sport und Vereinsförderung: Kommunen übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben und stehen gleichzeitig vor steigenden Kosten und wachsenden Anforderungen. Der finanzielle Spielraum wird zunehmend kleiner. Auch Kaufungen bekommt diese Entwicklung deutlich zu spüren.
Bürgermeister Arnim Roß hat nun den Haushaltsentwurf der Kunigundengemeinde für das Jahr 2027 eingebracht. Der Ergebnishaushalt weist zunächst ein Defizit von rund 1,95 Millionen Euro aus. Dieses kann durch die in den vergangenen Jahren aufgebaute Rücklage ausgeglichen werden. Damit ist der Haushalt 2027 ausgeglichen, die finanziellen Herausforderungen bleiben jedoch bestehen.
„Die entscheidende Frage für mich lautet inzwischen: Wieviel Handlungsspielraum hat eine Kommune eigentlich noch, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen und gleichzeitig ihre Zukunft gestalten soll und will?“, sagte Bürgermeister Arnim Roß bei der Einbringung des Haushalts.
Kaufungen verfügt weiterhin über eine solide Rücklage. Ende 2025 belief sie sich auf rund 7,24 Millionen Euro. Seit 2017 konnte die Kunigundengemeinde – mit Ausnahme des Jahres 2024 – in jedem Jahr einen Haushaltsüberschuss erwirtschaften. Diese Vorsorge hilft nun, die schwierige finanzielle Situation abzufedern. Dauerhaft lösen kann sie das strukturelle Problem allerdings nicht.
Wachsende Aufgaben, steigende Kosten
Die ordentlichen Erträge des Jahres 2027 liegen bei rund 38,8 Millionen Euro, davon entfallen rund 23,7 Millionen Euro auf Steuereinnahmen. Gleichzeitig steigen die Aufwendungen. Die Personalstellen werden nicht ausgeweitet, dennoch erhöhen sich die Personalkosten vor allem aufgrund tarifvertraglicher Veränderungen. Auch Sach- und Dienstleistungen werden teurer.
Hinzu kommen neue beziehungsweise wachsende kommunale Aufgaben – etwa bei der Klimaanpassung, der kommunalen Wärmeplanung, der Digitalisierung sowie im Brand- und Katastrophenschutz.
„Wir geben also nicht mehr Geld für mehr Personal aus. Wir müssen mehr Geld für das vorhandene Personal aufbringen“, erläuterte Roß. Gleichzeitig müsse die Gemeinde ein wachsendes Aufgabenspektrum mit einer gleichbleibenden Personalmenge bewältigen.
Besonders deutlich zeigt sich der finanzielle Druck bei der Unterhaltung der Infrastruktur: Für 2027 besteht ein ermittelter Unterhaltungsbedarf von rund 1,23 Millionen Euro. Im Haushalt können davon lediglich rund 323.000 Euro berücksichtigt werden. „Das bedeutet nicht, dass die Maßnahmen verschwinden. Sie werden verschoben. Und Verschieben ist nicht automatisch Sparen“, so Roß.
Investieren trotz schwieriger Finanzlage
Trotz der angespannten Situation soll Kaufungen weiterentwickelt und notwendige Infrastruktur erhalten und modernisiert werden. Für 2027 sind wichtige Investitionen vorgesehen. Zu den größten Vorhaben gehören:
- Energetische Sanierungen kommunaler Gebäude: 1,0 Millionen Euro
- Erweiterung des Feuerwehrstützpunkts: 1,3 Millionen Euro, davon 530.400 Euro Förderung
- Straßenbaumaßnahmen, unter anderem an der Auestraße und Virchowstraße: 933.600 Euro
- Herstellung einer Fahrradpendlertrasse: 1,5 Millionen Euro, davon 750.000 Euro Förderung
- Heizkonzept für den Bürgerhauskomplex: 1,0 Millionen Euro, davon 350.000 Euro Förderung
- Erweiterung der Kita Schöne Aussicht: 3,0 Millionen Euro, davon 1,9 Millionen Euro Förderung
Die Gemeinde setzt dabei weiterhin auf die Nutzung von Förderprogrammen. Gerade bei größeren Sanierungs- und Infrastrukturmaßnahmen können Zuschüsse dazu beitragen, notwendige Vorhaben trotz begrenzter Eigenmittel umzusetzen.
„Wir sanieren, weil es notwendig ist – und suchen dafür nach Zuschüssen, weil wir es vielfach aus eigener Kraft nicht könnten“, betonte der Bürgermeister.
Neben klassischen Infrastrukturprojekten gewinnen auch Krisenvorsorge, Klimaanpassung und Resilienz an Bedeutung. Feuerwehr und Katastrophenschutz, Notstromversorgung, der Schutz kritischer Infrastruktur und die digitale Sicherheit gehören zunehmend zu den kommunalen Kernaufgaben.
Kein Haushalt des Stillstands
Der Haushaltsentwurf kommt zunächst ohne eine weitere Erhöhung der kommunalen Steuern aus. Gleichzeitig werden Einsparpotenziale genutzt und bestehende Aufgaben und Strukturen überprüft. Für die kommenden Jahre bleiben jedoch erhebliche finanzielle Risiken bestehen.
Insbesondere die Entwicklung der Steuereinnahmen sowie mögliche Veränderungen bei der Kreis- und Schulumlage können den finanziellen Spielraum weiter einschränken. Auch die Rücklage ist endlich.
Für Bürgermeister Roß ist deshalb neben der eigenen Haushaltsdisziplin auch eine verlässliche Finanzierung der kommunalen Ebene durch Bund und Land notwendig. „Die kommunale Finanzkrise ist kein Kaufunger Sonderproblem“, stellte Roß fest. „Die Städte und Gemeinden sind strukturell unterfinanziert.“ Bund und Land müssten die Kommunen dauerhaft so ausstatten, dass sie ihre wachsenden Aufgaben auch finanzieren können.
Der Haushalt 2027 versucht deshalb, zwei Ziele miteinander zu verbinden: verantwortungsvoll zu wirtschaften und gleichzeitig notwendige Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen.
„Der Haushaltsentwurf 2027 ist deshalb kein Haushalt der großen finanziellen Spielräume. Er ist aber auch kein Haushalt des Stillstands“, fasste Bürgermeister Arnim Roß zusammen. „Wir sparen, wo wir sparen können. Wir investieren, wo es notwendig oder sinnvoll ist. Und wir entwickeln Kaufungen dort weiter, wo wir es verantworten können.“